Zeitraum: 23. Juli – 29. Juli 2001

Die 30. Kalenderwoche des Jahres 2001 führte die Formel 1 an einen ihrer spektakulärsten Schauplätze. Auf dem Hockenheimring stand der Große Preis von Deutschland bevor – ein Heimspiel für Michael und Ralf Schumacher, für Mercedes-Benz und BMW sowie für die deutschen Fahrer Nick Heidfeld und Heinz-Harald Frentzen. Doch noch bevor die Motoren auf den langen Waldgeraden aufheulten, erschütterte eine personelle Entscheidung das Fahrerlager. Jordan entließ Frentzen nur wenige Tage vor seinem Heimrennen mit sofortiger Wirkung.

Damit begann ein Wochenende, das sportliche Dominanz und geschäftliche Härte ungewöhnlich eng miteinander verband. Während Frentzens überraschender Abschied die Schlagzeilen vor dem Rennen bestimmte, entwickelte sich auf der Strecke eine Machtdemonstration von Williams-BMW. Juan Pablo Montoya holte seine erste Pole-Position, führte den Grand Prix über weite Strecken an und verlor einen möglichen Sieg durch Probleme beim Boxenstopp und einen Motorschaden. Profiteur war Ralf Schumacher, der vor heimischem Publikum seinen dritten Saisonsieg feierte.

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Der Große Preis von Deutschland 2001 wurde zugleich zum Abschied von der klassischen Hockenheim-Strecke. Zum letzten Mal führte die Formel 1 tief in den Wald, zum letzten Mal bestimmten extreme Geschwindigkeiten und minimale Flügelstellungen das Wochenende. Der alte Kurs verabschiedete sich mit einem schweren Startunfall, zahlreichen technischen Ausfällen und einem deutschen Sieger in einem Williams-BMW.

Frentzens überraschende Entlassung

Am Mittwoch, dem 25. Juli 2001, veröffentlichte Jordan Grand Prix eine Mitteilung, mit der kaum jemand gerechnet hatte. Der Vertrag mit Heinz-Harald Frentzen werde mit sofortiger Wirkung beendet. Der Deutsche sollte weder beim bevorstehenden Grand Prix in Hockenheim noch bei einem der verbleibenden Saisonrennen für das Team antreten. Seinen Platz übernahm zunächst der brasilianische Testfahrer Ricardo Zonta.

Die Entscheidung war nicht nur wegen ihres Inhalts außergewöhnlich, sondern vor allem wegen ihres Zeitpunkts. Frentzen befand sich unmittelbar vor seinem Heimrennen, einem der wichtigsten Termine für deutsche Fahrer und Sponsoren. Statt in Hockenheim in den Jordan EJ11 zu steigen, musste er das Wochenende aus der Distanz verfolgen. Die Trennung wurde deshalb selbst von Beobachtern, die Jordans Recht auf eine personelle Veränderung anerkannten, als ungewöhnlich hart kritisiert.

Auch die Art der Kommunikation sorgte für Irritationen. Frentzen erhielt die Mitteilung über die sofortige Beendigung des Vertrags schriftlich. Einen gemeinsamen Abschied oder eine länger vorbereitete öffentliche Erklärung gab es nicht. Eddie Jordan erklärte, die Saison sei für beide Seiten enttäuschend verlaufen. Nach dem Großen Preis von Großbritannien habe es einen Meinungsaustausch gegeben, dessen Konsequenz nun die Trennung sei.

Was bei diesen Gesprächen genau besprochen worden war, blieb zunächst offen. Die öffentlichen Äußerungen beider Seiten deuteten jedoch darauf hin, dass das Vertrauensverhältnis bereits seit einiger Zeit erheblich beschädigt war. Frentzen hatte wiederholt technische Probleme und die Zuverlässigkeit des Fahrzeugs angesprochen. Jordan wiederum schien zunehmend davon überzeugt zu sein, dass Fahrer und Team sportlich nicht mehr zueinanderfanden.

Vom WM-Kandidaten zum unerwünschten Fahrer

Nur zwei Jahre zuvor hatte Frentzen mit Jordan die erfolgreichste Saison der Teamgeschichte erlebt. 1999 gewann er die Rennen in Frankreich und Italien, führte den Rennstall auf den dritten Rang der Konstrukteurswertung und reiste im Herbst sogar mit rechnerischen Chancen auf die Weltmeisterschaft zum Großen Preis von Europa. Die Verbindung zwischen Fahrer und Team galt damals als eine der positiven Überraschungen der Formel 1.

Frentzen hatte sich nach seinen schwierigen Jahren bei Williams in der vergleichsweise familiären Atmosphäre von Jordan sichtbar wohler gefühlt. Das Team gab ihm Freiheiten, während der Fahrer mit konstanten Leistungen und zwei Siegen das sportliche Potenzial des Jordan 199 bestätigte. Eddie Jordan bezeichnete ihn zeitweise als einen der wertvollsten Fahrer, die sein Rennstall je beschäftigt hatte.

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Doch bereits in der Saison 2000 setzte eine Entwicklung ein, die diese Verbindung zunehmend belastete. Jordan litt unter erheblichen Zuverlässigkeitsproblemen und konnte die Erwartungen nach dem erfolgreichen Vorjahr nicht erfüllen. Auch der EJ11 der Saison 2001 erwies sich nicht als das erhoffte Spitzenauto. Gleichzeitig hatte das Team seine exklusive Stellung als Honda-Partner verloren, weil auch BAR mit den Motoren des japanischen Herstellers antrat.

Zu Beginn des Jahres sammelte Frentzen noch regelmäßig Punkte. Danach folgten technische Ausfälle, Unfälle und enttäuschende Resultate. In Monaco verunglückte er schwer und musste den Kanada-Grand-Prix wegen seiner Verletzungen auslassen. Auf dem Nürburgring drehte er sich ins Aus, in Magny-Cours und Silverstone blieb er ohne Punkte. Aus einer sportlichen Krise entwickelte sich schrittweise ein offener Konflikt über Verantwortung, Technik und Zukunftsplanung.

Die Lage im Fahrerlager

Die Reaktionen in Hockenheim fielen überwiegend kritisch aus. Mehrere Fahrer zeigten sich überrascht, weil es zuvor keine eindeutigen Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Trennung gegeben hatte. Jarno Trulli erklärte, innerhalb des Teams keinen klaren Vorlauf wahrgenommen zu haben. Für ihn war der Vorgang zugleich eine Erinnerung daran, wie schnell sich die Position eines Fahrers in der Formel 1 verändern konnte.

Auch Michael und Ralf Schumacher äußerten Mitgefühl für ihren Landsmann. Frentzen selbst kündigte juristische Schritte an. Sein Vertrag hätte ursprünglich noch deutlich länger laufen sollen, weshalb sich unmittelbar Fragen nach ausstehenden Gehaltszahlungen und möglichem Schadenersatz stellten. Damit verlagerte sich die Auseinandersetzung von der sportlichen auf die rechtliche Ebene.

Hinter dem Rauswurf standen zudem strategische Überlegungen. Jordan musste seine Zukunft mit Honda absichern und plante bereits die Fahrerpaarung für 2002. Der japanische Nachwuchsfahrer Takuma Satō galt als möglicher Kandidat für eines der Cockpits. Gleichzeitig war auch Trullis Zukunft nicht endgültig geklärt. Der Fall Frentzen zeigte damit, wie schnell frühere Erfolge an Bedeutung verloren, sobald sportliche, wirtschaftliche und politische Interessen nicht mehr zusammenpassten.

Der alte Hockenheimring

Während die Frentzen-Affäre das Fahrerlager beschäftigte, bereitete sich die Formel 1 auf einen der ungewöhnlichsten Kurse des Kalenders vor. Der damalige Hockenheimring war 6,825 Kilometer lang. Von der engen Stadionsektion führte die Strecke weit hinaus in den Wald. Die langen Vollgaspassagen wurden lediglich von mehreren Schikanen unterbrochen, an denen die Fahrer aus sehr hohen Geschwindigkeiten abbremsen mussten.

Die Abstimmung verlangte einen extremen Kompromiss. Mit flach gestellten Flügeln erreichten die Fahrzeuge Höchstgeschwindigkeiten von deutlich mehr als 340 km/h. Gleichzeitig mussten sie im Motodrom genügend Abtrieb und mechanischen Grip erzeugen, um in den langsameren Kurven konkurrenzfähig zu bleiben. Motorleistung und aerodynamische Effizienz spielten deshalb eine größere Rolle als auf fast jeder anderen Strecke des Kalenders.

Die hohen Temperaturen des Wochenendes kamen Williams-BMW entgegen. Der BMW-P80-Motor verfügte über die Leistung, die auf den Waldgeraden besonders wertvoll war. Zugleich arbeiteten die Michelin-Reifen bei der Hitze in einem günstigen Temperaturfenster. Schon in den Trainings zeichnete sich ab, dass Ferrari und McLaren an diesem Wochenende Schwierigkeiten haben würden, das Tempo der beiden Williams zu erreichen.

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Montoyas erste Pole-Position

Im Qualifying entwickelte sich ein teaminternes Duell zwischen Juan Pablo Montoya und Ralf Schumacher. Montoya hatte seine anfangs oft ungestüme Fahrweise im Verlauf der Saison zunehmend unter Kontrolle gebracht. Auf einer Strecke, auf der Mut beim Anbremsen, Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten und Vertrauen in das Fahrzeug entscheidend waren, konnte er seine Stärken besonders deutlich ausspielen.

Mit einer Rundenzeit von 1:38,117 Minuten sicherte sich der Kolumbianer die erste Pole-Position seiner Formel-1-Karriere. Ralf Schumacher fehlten lediglich 0,019 Sekunden. Damit gehörte die komplette erste Startreihe Williams-BMW. Mika Häkkinen belegte im McLaren-Mercedes den dritten Platz, lag aber bereits fast sieben Zehntelsekunden zurück.

Michael Schumacher musste sich mit Startplatz vier begnügen. David Coulthard und Rubens Barrichello folgten auf den Positionen fünf und sechs. Das Ergebnis war eine klare Demonstration der Williams-Stärke. Der FW23 war in Hockenheim nicht nur schnell genug, Ferrari und McLaren zu schlagen, sondern bewegte sich über eine einzelne Runde in einer eigenen Leistungsklasse.

Für Montoya war die Pole-Position ein wichtiges persönliches Signal. Ralf Schumacher hatte zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Rennen gewonnen und sich innerhalb des Teams als verlässlicher Punktesammler etabliert. Montoya zeigte nun, dass auch er in der Lage war, ein Grand-Prix-Wochenende von Beginn an zu prägen.

Der Startunfall

Am Sonntag herrschte große Hitze. Rund um die Strecke warteten die Zuschauer auf ein mögliches Duell der Schumacher-Brüder. Doch der erste Start dauerte nur wenige Sekunden. Montoya kam gut weg und behauptete die Führung vor seinem Teamkollegen. Michael Schumacher beschleunigte zunächst normal, verlangsamte dann jedoch wegen eines Schalt- beziehungsweise Getriebeproblems deutlich.

Luciano Burti konnte im Prost nicht mehr rechtzeitig ausweichen. Der Brasilianer traf das Heck des Ferrari mit hoher Geschwindigkeit, wurde in die Luft geschleudert und überschlug sich. Der Prost landete wieder auf der Strecke, rutschte weiter und kam schließlich beschädigt zum Stillstand. Beide Fahrer blieben unverletzt.

Auf der Start-Ziel-Geraden lagen zahlreiche Karbonteile. Der Grand Prix wurde mit der roten Flagge abgebrochen. Da der erste Start annulliert wurde, erhielt Michael Schumacher eine zweite Chance und durfte mit dem Ersatzwagen erneut von seinem ursprünglichen vierten Startplatz antreten.

Montoya setzt sich ab

Auch beim zweiten Start behauptete Montoya die Führung vor Ralf Schumacher. Dahinter lag zunächst Mika Häkkinen, ehe Michael Schumacher am McLaren vorbeiging und den dritten Rang übernahm. Weiter hinten kam es erneut zu einer Kollision. Pedro de la Rosa verbremste sich vor einer Schikane und traf den Sauber von Nick Heidfeld. Beide Fahrer mussten bereits in der ersten Runde aufgeben.

An der Spitze setzte sich Montoya schnell ab. Der Kolumbianer fuhr kontrolliert und war regelmäßig mehrere Zehntelsekunden schneller als sein Teamkollege. Nach zehn Runden betrug sein Vorsprung bereits mehr als sechs Sekunden. Williams dominierte das Rennen in einer Deutlichkeit, die Ferrari und McLaren auf einer trockenen Strecke in dieser Saison nur selten erlebt hatten.

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Rubens Barrichello war mit einer aggressiven Zwei-Stopp-Strategie unterwegs und entsprechend leichter als die Fahrer mit nur einem geplanten Boxenhalt. Er überholte Michael Schumacher und rückte auf den dritten Platz vor. Mika Häkkinen und David Coulthard konnten das Tempo der Spitze nicht mitgehen und mussten darauf hoffen, dass Strategie oder Technik die Reihenfolge noch verändern würden.

McLaren verliert beide Autos

Barrichello absolvierte seinen ersten Boxenstopp bereits in Runde 16. Danach fiel er hinter Coulthard zurück und verlor zunächst Zeit. Der Schotte verteidigte seine Position energisch, obwohl beide Fahrer dadurch gegenüber der Spitze weiter zurückfielen. Schließlich setzte Barrichello auf der Außenbahn zu einem entschlossenen Überholmanöver an und zog in der schnellen Rechtskurve vor dem Motodrom am McLaren vorbei.

Für McLaren entwickelte sich das Wochenende zunehmend zum Rückschlag. Häkkinen musste seinen Wagen bereits in Runde 14 mit einem Motorschaden abstellen. Nur zwei Wochen nach seinem überzeugenden Sieg in Silverstone folgte damit der nächste technische Ausfall. Auch Coulthard sollte das Ziel nicht erreichen.

Für den Schotten war das besonders bitter. Zwar war sein Rückstand auf Michael Schumacher in der Weltmeisterschaft bereits groß, rechnerisch bestand aber weiterhin eine Chance. Jeder Ausfall verringerte diese Möglichkeit. Hockenheim bot ihm eigentlich die Gelegenheit, den Rückstand zu verkürzen, weil auch Schumacher nicht um den Sieg kämpfte.

Montoyas verlorene Führung

Montoya schien einem souveränen ersten Grand-Prix-Sieg entgegenzufahren. Nach 20 Runden lag er rund zehn Sekunden vor Ralf Schumacher. Der Kolumbianer hatte das Rennen unter Kontrolle und musste lediglich seinen geplanten Boxenstopp absolvieren. Genau dort begann jedoch sein Unglück.

Beim Nachtanken arbeitete die Williams-Tankanlage nicht wie vorgesehen. Die Mechaniker konnten den Kraftstoff nicht sofort einfüllen, wodurch Montoya ungewöhnlich lange an der Box stand. Der Vorsprung, den er sich zuvor auf der Strecke erarbeitet hatte, war damit verloren. Als er wieder losfuhr, hatte Ralf Schumacher die Führung übernommen.

Zunächst bestand noch die Möglichkeit, dass Montoya sich erneut heranarbeiten würde. Wenige Runden später versagte jedoch der BMW-Motor. In Runde 25 musste er den Williams abstellen. Der Fahrer, der die Pole-Position geholt und den Grand Prix über weite Strecken kontrolliert hatte, blieb damit ohne Punkte.

Es war ein weiterer Rückschlag in einer Saison, in der Montoya seine Geschwindigkeit mehrfach nicht in entsprechende Resultate hatte umwandeln können. In Hockenheim war er sowohl im Qualifying als auch über weite Teile des Rennens der schnellere Williams-Fahrer gewesen. Der erste Sieg musste dennoch weiter warten.

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Schumacher scheidet aus

Auch Michael Schumacher erlebte keinen erfolgreichen Heim-Grand-Prix. Nach seinem Boxenstopp trat am Ferrari ein Problem mit dem Kraftstoffdruck auf. Der Weltmeister musste aufgeben und blieb erstmals seit dem Großen Preis von San Marino ohne Zielankunft. Normalerweise hätte dieser Ausfall eine große Chance für Coulthard bedeutet.

Doch kurz nach Montoyas Motorschaden versagte auch der McLaren-Motor des Schotten. Damit verlor Michael Schumacher trotz seines eigenen Ausfalls praktisch nichts. Sein Vorsprung in der Weltmeisterschaft blieb bei 37 Punkten. Bei noch fünf ausstehenden Rennen rückte der vierte Titel in greifbare Nähe.

Das Rennen verdeutlichte damit die besondere Lage der Saison 2001. Selbst an einem Wochenende, an dem Schumacher weder das schnellste Auto besaß noch das Ziel erreichte, konnten seine wichtigsten Gegner keinen entscheidenden Vorteil daraus ziehen. Ferrari war nicht dominant, doch die Konkurrenz ließ die Möglichkeiten zur Aufholjagd ungenutzt.

Ralf Schumacher übernimmt die Führung

Nach Montoyas Ausfall lag Ralf Schumacher komfortabel an der Spitze. Der Deutsche hatte im Qualifying und in der ersten Rennhälfte nicht ganz das Tempo seines Teamkollegen erreicht, war aber schnell genug gewesen, den Rest des Feldes klar auf Abstand zu halten. Nun musste er den Williams nur noch zuverlässig ins Ziel bringen.

Barrichello lag nach seinem zweiten Boxenstopp deutlich zurück. Hinter dem Ferrari rückte Jacques Villeneuve im BAR-Honda auf den dritten Platz vor. Giancarlo Fisichella und Jenson Button befanden sich mit den beiden zuletzt häufig kritisierten Benetton-Renault plötzlich auf den Punkterängen. Die hohe Ausfallquote eröffnete Teams Chancen, die unter normalen Umständen kaum erreichbar gewesen wären.

Nur zehn Fahrzeuge wurden im Ziel klassifiziert. Ralf Schumacher überquerte die Ziellinie mit mehr als 46 Sekunden Vorsprung auf Barrichello. Villeneuve wurde Dritter und bescherte BAR-Honda den zweiten Podestplatz der Saison. Fisichella und Button belegten die Positionen vier und fünf, Jean Alesi sicherte Prost mit Rang sechs den letzten WM-Punkt.

Für Benetton war das Resultat ein dringend benötigtes Erfolgserlebnis. Der B201 hatte sich über weite Teile der Saison als langsam und unzuverlässig erwiesen. In Hockenheim nutzte das Team die hohe Zahl der Ausfälle und brachte erstmals beide Fahrzeuge gemeinsam in die Punkte.

BMWs Heimtriumph

Für Ralf Schumacher war es der dritte Grand-Prix-Sieg seiner Karriere und zugleich der dritte innerhalb weniger Monate. Nach Imola und Montreal triumphierte er nun erstmals vor heimischem Publikum. Die Kombination aus deutschem Fahrer, deutschem BMW-Motor und Sieg beim Großen Preis von Deutschland sorgte für großen Jubel auf den Tribünen.

Auch für BMW hatte der Erfolg besondere Bedeutung. Ausgerechnet beim Heimrennen des Konkurrenten Mercedes war der Münchner Hersteller die bestimmende Kraft. Beide Williams hatten Ferrari und McLaren im Qualifying deutlich distanziert. Im Rennen kontrollierte zunächst Montoya das Geschehen, ehe Ralf Schumacher nach dem Ausfall seines Teamkollegen den Sieg übernahm.

Dennoch blieb ein bitterer Nachgeschmack. Montoya hatte das Wochenende geprägt und in Hockenheim das höhere Tempo gezeigt. Ralf Schumacher sammelte dagegen erneut die Punkte und den Sieg. Zwischen beiden Williams-Fahrern entwickelte sich damit eine sportliche Konstellation, die für die Zukunft erhebliches Spannungspotenzial besaß.

Williams hatte endgültig bewiesen, dass das Team wieder regelmäßig um Siege kämpfen konnte. Die Frage lautete nun nicht mehr, ob der Rennstall Ferrari und McLaren schlagen konnte, sondern welcher der beiden eigenen Fahrer die besseren Ergebnisse aus dem vorhandenen Potenzial machen würde.

Das Ende einer Epoche

Der Große Preis von Deutschland 2001 war der letzte Formel-1-Lauf auf der klassischen Streckenführung des Hockenheimrings. Die langen Waldgeraden, die extremen Vollgaspassagen und der harte Kontrast zum engen Motodrom verschwanden anschließend aus dem Grand-Prix-Kalender. Für 2002 wurde die Strecke grundlegend umgebaut und erheblich verkürzt.

Damit endete eine Epoche, ohne dass der Abschied während des Rennwochenendes bereits überall als historischer Einschnitt wahrgenommen wurde. Der alte Hockenheimring stammte aus einer Zeit, in der Rennstrecken nicht kompakt sein mussten und ein großer Teil des Kurses außerhalb der Sichtweite der Haupttribünen liegen konnte.

Die Fahrzeuge verschwanden für lange Sekunden im Wald und kehrten mit enormer Geschwindigkeit in das Motodrom zurück. Der Kurs verlangte eine Spezialisierung, die im modernen Kalender zunehmend selten wurde. Autos und Motoren mussten für ein einziges Wochenende auf extreme Höchstgeschwindigkeit abgestimmt werden.

Passenderweise gewann beim Abschied jene Kombination, die für diese Aufgabe am besten gerüstet war: Williams, BMW und Michelin. Der FW23 war auf den langen Geraden konkurrenzlos schnell und schrieb das letzte Siegerkapitel der alten Hockenheim-Strecke.

Die Weltmeisterschaft nach Hockenheim

Michael Schumacher führte die Fahrerwertung nach zwölf Saisonrennen weiterhin mit 84 Punkten an. David Coulthard folgte mit 47 Zählern. Ralf Schumacher verbesserte sich durch seinen Sieg auf 41 Punkte und übernahm den dritten Platz vor Rubens Barrichello, der nun 40 Punkte besaß. Mika Häkkinen blieb mit 19 Zählern deutlich zurück.

In der Konstrukteurswertung führte Ferrari mit 124 Punkten klar vor McLaren-Mercedes mit 66. Williams-BMW verkürzte den Rückstand auf McLaren und kam nun auf 56 Zähler. Sauber lag mit 19 Punkten auf Rang vier, während BAR durch Villeneuves Podestplatz auf 16 Punkte kam und Jordan überholte.

Für Jordan war dies ein besonders bitterer Abschluss der Woche. Das Team hatte mit der Entlassung Frentzens bereits die größte negative Schlagzeile produziert und verlor nun auch in der Weltmeisterschaft eine Position an den direkten Honda-Konkurrenten BAR.

Fazit der KW 30

Die 30. Kalenderwoche des Jahres 2001 vereinte die sportliche und geschäftliche Härte der Formel 1 wie kaum eine andere Phase jener Saison. Heinz-Harald Frentzen verlor wenige Tage vor seinem Heimrennen sein Cockpit. Die Verbindung, die zwei Jahre zuvor noch zu den größten Erfolgsgeschichten des Fahrerlagers gehört hatte, endete abrupt und ohne versöhnlichen Abschluss.

Juan Pablo Montoya zeigte in Hockenheim seine bis dahin stärkste Formel-1-Leistung. Er holte seine erste Pole-Position und kontrollierte das Rennen, wurde aber durch den missglückten Boxenstopp und einen Motorschaden um ein mögliches Spitzenergebnis gebracht. Ralf Schumacher nutzte die Gelegenheit mit der Ruhe eines etablierten Spitzenfahrers und bestätigte mit seinem dritten Saisonsieg, dass Williams-BMW wieder zur ersten Reihe gehörte.

Michael Schumacher schied aus und kam dem WM-Titel dennoch näher, weil auch David Coulthard ohne Punkte blieb. Gleichzeitig verabschiedete sich eine der eigenwilligsten Strecken der Formel-1-Geschichte. Der alte Hockenheimring schrieb sein letztes Kapitel mit enormen Geschwindigkeiten, zahlreichen technischen Ausfällen und einem deutschen Sieger im Williams-BMW.

F1 2001 – KW 30: Hockenheim

27.–29. Juli 2001 | Großer Preis von Deutschland | Runde 12/17
Klassischer Hockenheimring | 6,823 km | 45 Rennrunden

FT1 – Freitag: Rubens Barrichello setzte die erste Bestzeit des Wochenendes.

FT2 – Freitag: Eddie Irvine überraschte im Jaguar mit der Tagesbestzeit.

FT3 – Samstag: Michael Schumacher führte vor Barrichello und Ralf Schumacher.

FT4 – Samstag: Williams-BMW belegte vor dem Qualifying die ersten beiden Plätze.

Qualifikation: Juan Pablo Montoya holte seine erste Formel-1-Pole.

Warm-up – Sonntag: Ralf Schumacher führte erneut einen Williams-Doppelerfolg an.

Rennen: Ralf Schumacher gewann vor Barrichello und Villeneuve.

Schnellste Rennrunden: Montoya fuhr trotz seines Ausfalls die schnellste Runde.

Fahrer-WM nach Runde 12: Michael Schumacher führte mit 37 Punkten Vorsprung.

Konstrukteurs-WM nach Runde 12: Ferrari blieb klar vor McLaren und Williams.

KI-Transparenz Bei der Erstellung dieses Artikels kamen unterstützend KI-Technologien zum Einsatz. Themenauswahl, Recherche, redaktionelle Prüfung und Freigabe liegen in der Verantwortung des Betreibers. Illustrationen werden teilweise mithilfe generativer KI erstellt und dienen als stilisierte redaktionelle Darstellungen. Sie sind keine historischen Originalaufnahmen. Weitere Informationen zum redaktionellen Prozess: KI-Transparenz bei Grand Prix Geschichte
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