Zeitraum: 17. bis 23. September 2001

Einen Tag nach dem ungewöhnlich stillen Italien-Grand-Prix war die wichtigste Frage der Formel 1 nicht, ob Williams nach Juan Pablo Montoyas erstem Sieg auch in Indianapolis schnell sein würde. Zunächst musste geklärt werden, ob der Große Preis der USA am 30. September überhaupt unter normalen Bedingungen stattfinden konnte.

Nur wenige Tage nach den Terroranschlägen vom 11. September waren Flugverkehr und Sicherheitsmaßnahmen in den Vereinigten Staaten weiterhin stark eingeschränkt. Innerhalb der Formel 1 gab es Zweifel an der Reise, Diskussionen um Michael Schumachers Teilnahme und erhebliche logistische Probleme. Gleichzeitig hielt der Indianapolis Motor Speedway an der Veranstaltung fest.

Anzeige

Abseits dieser außergewöhnlichen Situation begann bereits die Vorbereitung auf 2002. Felipe Massa fuhr in Mugello erstmals einen Formel-1-Wagen und überzeugte Sauber auf Anhieb. Williams gab zwei Formel-3000-Fahrern die Gelegenheit zum Test, während Luciano Burti endgültig akzeptieren musste, dass seine Saison nach dem schweren Spa-Unfall beendet war.

Vor 25 Jahren · Formel 1 2001

KW 38 im Überblick

Zeitraum 17.–23. September 2001
Indianapolis US-Grand-Prix findet statt Renntermin: 30. September
Luciano Burti Saison 2001 beendet Ärzte raten von weiteren Starts ab
Prost Tomáš Enge bleibt Indianapolis und Suzuka
Felipe Massa Erster Formel-1-Test Sauber C20 · Mugello · 101 Runden
Massas Bestzeit 1:23,790 Minuten Kandidat für Räikkönens Cockpit 2002

Schumacher und die Frage nach Indianapolis

Michael Schumacher hatte Monza sichtbar belastet verlassen. Ferrari-Teamchef Jean Todt machte am Montag deutlich, dass der viermalige Weltmeister auch beim US-Grand-Prix nicht zum Start gezwungen würde. Schon in Italien hatte Ferrari Schumacher freigestellt, auf einen Einsatz zu verzichten. Er hatte sich letztlich für das Rennen entschieden.

Die Unsicherheit erhielt zusätzlich Nahrung, weil Schumachers Manager Willi Weber öffentlich für eine Absage des Indianapolis-Rennens plädierte. Schumacher selbst ließ dagegen erkennen, dass er seine beiden verbleibenden Saisonrennen grundsätzlich bestreiten wollte. Die unterschiedlichen Aussagen zeigten, wie ungewöhnlich die Situation war: Es ging nicht um Verletzungen, Vertragsfragen oder sportliche Motive, sondern darum, ob eine Reise in die USA wenige Wochen nach den Anschlägen angemessen und sicher erschien.

Auch bei anderen Teams bestand keine einheitliche Haltung. Niki Lauda erklärte zunächst, Jaguar werde keinen Mitarbeiter zur Reise zwingen. Einige Tage später vertrat er dagegen öffentlich die Position, dass der Grand Prix stattfinden und alle Fahrer antreten sollten. Für Lauda gab es bei den angekündigten Sicherheitsmaßnahmen keinen sachlichen Grund, Indianapolis fernzubleiben.

Indianapolis bestätigt den Grand Prix

Am Dienstag bestätigte der Indianapolis Motor Speedway, dass der Große Preis der USA wie geplant stattfinden sollte. Damit war die grundsätzliche Entscheidung gefallen, auch wenn die praktische Durchführung weiterhin erhebliche Herausforderungen mit sich brachte.

Die Sicherheitsmaßnahmen wurden deutlich verschärft. Gemeinsam mit amerikanischen Bundesbehörden überarbeitete die Rennstrecke ihr Sicherheitskonzept. Zusätzliche Polizei- und Sicherheitskräfte sollten eingesetzt werden. Gleichzeitig mussten Teams und Veranstalter ihre normalen Reise- und Transportabläufe teilweise vollständig verändern.

Anzeige

Besonders deutlich wurde das beim Frachttransport. Am Freitag bestätigte die FIA, dass die meisten Teams ihre Autos und Ausrüstung über Amsterdam in die Vereinigten Staaten schickten. Der Flughafen Schiphol verfügte über eine ausreichend große Röntgenanlage, um die kompletten Frachtpaletten zu kontrollieren. Ferrari nutzte Mailand-Malpensa und musste dort eine vergleichbar umfangreiche Kontrolle durchlaufen.

Damit hatte die Formel 1 eine entscheidende logistische Hürde genommen. Die Autos waren unterwegs – und spätestens damit wurde aus der Absicht, in Indianapolis zu fahren, ein konkreter Plan.

Minardi kämpft mit Visa statt Rundenzeiten

Für Minardi lagen die größten Schwierigkeiten zunächst nicht auf der Rennstrecke. Paul Stoddart wollte seine Mannschaft mit einem Flugzeug seiner eigenen European-Aviation-Flotte in die USA bringen. Doch die neuen Einreisebedingungen sorgten für ein unerwartetes Problem: Nach Angaben des Teamchefs verfügte ungefähr die Hälfte seiner Mannschaft zu diesem Zeitpunkt nicht über die benötigten Visa.

Stoddart war trotzdem überzeugt, dass Minardi in Indianapolis antreten würde. Die Teamchefs hatten bereits in Monza darüber gesprochen und waren nach seiner Darstellung zu dem Schluss gekommen, dass die Formel 1 geschlossen in die Vereinigten Staaten reisen sollte, wenn die Amerikaner das Rennen weiterhin durchführen wollten.

Für Alex Yoong war die Situation besonders ungewöhnlich. Erst eine Woche zuvor hatte er in Monza als erster Malaysier sein Formel-1-Debüt gefeiert. Nun musste sich sein Team bereits vor dem zweiten Grand Prix mit Reiseformalitäten auseinandersetzen, die mit dem normalen Ablauf einer Formel-1-Saison kaum etwas zu tun hatten.

Burtis Saison ist endgültig beendet

Am Donnerstag fiel gleichzeitig eine Entscheidung, die sich seit Spa abgezeichnet hatte. Luciano Burti würde 2001 nicht mehr in die Formel 1 zurückkehren. Nach weiteren medizinischen Untersuchungen rieten ihm die Ärzte dringend davon ab, vor Jahresende wieder einen Rennwagen zu fahren.

Der Grund war nicht sein allgemeiner körperlicher Zustand. Burti hatte beim heftigen Einschlag in Spa keine Knochenbrüche erlitten und das Krankenhaus bereits verlassen. Entscheidender war die schwere Kopfverletzung. Ein weiterer Schlag auf den Kopf innerhalb kurzer Zeit hätte nach Einschätzung seiner Ärzte deutlich schwerwiegendere Folgen haben können.

Damit stand zugleich fest, dass Tomáš Enge auch in Indianapolis und Suzuka für Prost antreten würde. Der Tscheche hatte sein Debüt in Monza auf Rang zwölf beendet und die Mannschaft mit seiner Arbeit überzeugt. Jaroslav Janiš rückte als weiterer tschechischer Nachwuchsfahrer in die Testrolle nach.

Anzeige

Für Burti bedeutete die Entscheidung das vorzeitige Ende einer schwierigen Saison. Er hatte das Jahr bei Jaguar begonnen, war nach wenigen Rennen zu Prost gewechselt und innerhalb kurzer Zeit sowohl in Hockenheim als auch in Spa schwer verunglückt.

Zanardi ist wieder bei Bewusstsein

Auch aus Berlin kamen in KW 38 erstmals deutlich positivere Nachrichten. Alex Zanardi wurde am Mittwoch schrittweise aus dem künstlichen Koma geholt. Einen Tag später beschrieben seine Ärzte seinen Zustand als stabil und erklärten, dass er sich auf dem Weg der Besserung befinde.

Der ehemalige Williams-, Lotus-, Jordan- und Minardi-Fahrer hatte beim CART-Rennen auf dem Lausitzring beide Beine verloren. Noch während des Monza-Wochenendes war sein Zustand als lebensbedrohlich beschrieben worden. Dass er wenige Tage später wieder wach war, wurde deshalb auch im Formel-1-Fahrerlager mit großer Erleichterung aufgenommen.

Sportlich gehörte Zanardis Unfall nicht zur Formel-1-Saison 2001. Für die Chronologie dieser Wochen ist seine Entwicklung dennoch relevant. Die Nachricht vom Lausitzring hatte den Italien-Grand-Prix zusätzlich überschattet und die Diskussionen über Risiko und Sicherheit maßgeblich beeinflusst.

Felipe Massa fährt erstmals Formel 1

Während Kimi Räikkönen bereits als zukünftiger McLaren-Pilot feststand, musste Sauber nach einem neuen Fahrer für 2002 suchen. Einer der ersten ernsthaften Kandidaten setzte sich in KW 38 erstmals in einen Formel-1-Wagen: Felipe Massa testete am Dienstag und Mittwoch in Mugello den Sauber C20.

Der 20-jährige Brasilianer hatte 2001 die Euro Formula 3000 dominiert und durfte nun insgesamt 101 Runden mit dem Ferrari-angetriebenen Sauber absolvieren. Seine Bestzeit lag bei 1:23,790 Minuten. Technischer Direktor Willy Rampf zeigte sich insbesondere davon beeindruckt, wie kontrolliert Massa seine ersten Kilometer absolvierte und wie schnell sich seine Zeiten verbesserten.

Am zweiten Tag bezog Sauber den Neuling bereits in Entwicklungsarbeiten für Indianapolis ein. Damit war der Test weit mehr als eine unverbindliche Belohnung für eine gute Nachwuchssaison. Das Team suchte konkret einen Nachfolger für Räikkönen – und Massa hatte sich mit seinen ersten beiden Tagen sofort in Position gebracht.

Rückblickend erscheint der Schritt logisch. Im September 2001 war jedoch noch keineswegs selbstverständlich, dass Sauber nach Räikkönen direkt den nächsten äußerst jungen Fahrer verpflichten würde.

Mehr zur Sauber-Generation

Anzeige

Quick Nick: Der Fahrer, den McLaren übersah

Nick Heidfeld schlug Kimi Räikkönen 2001 nach Punkten – trotzdem ging das McLaren-Cockpit an den Finnen. Danach bekam Heidfeld bei Sauber mit Felipe Massa bereits das nächste große Talent an seine Seite.

Heidfelds Geschichte lesen →

Williams testet die nächste Generation

Auch Williams nutzte die rennfreie Woche, um neben der Vorbereitung auf Indianapolis Nachwuchsfahrer zu testen. In Estoril erhielten Antonio Pizzonia und Ricardo Sperafico jeweils mehrere Einsätze im FW23. Beide fuhren parallel in der internationalen Formel 3000.

Pizzonia absolvierte insgesamt 507 Kilometer, Sperafico 511. Williams setzte die beiden nicht nur für Demonstrationsrunden ein, sondern integrierte sie in Michelin-Reifentests sowie Arbeiten an Chassis und Motor. Rundenzeiten veröffentlichte das Team bewusst nicht.

Anzeige

Für Sperafico war es der erste ernsthafte Formel-1-Test auf einer permanenten Rennstrecke. Pizzonia besaß bereits Erfahrungen mit Benetton, fuhr in Estoril jedoch erstmals einen Formel-1-Wagen bei Nässe. Die Traktionskontrolle beeindruckte den Brasilianer dabei besonders.

Zusammen mit Massas Sauber-Test unterstrich die Woche damit einen Generationswechsel, der sich bereits seit Saisonbeginn abzeichnete. Räikkönen und Alonso hatten 2001 gezeigt, wie schnell sehr junge Fahrer in der Formel 1 Fuß fassen konnten. Weitere Kandidaten standen bereits bereit.

Ferrari arbeitet längst zweigleisig

Ferrari verbrachte die Woche fast vollständig auf der eigenen Teststrecke in Fiorano. Luca Badoer arbeitete dort nicht nur am Paket für Indianapolis, sondern bereits an Elektronik und Komponenten für die Saison 2002.

Anzeige

Am Samstag absolvierte der Testfahrer noch einmal 86 Runden und verbesserte seine persönliche Fiorano-Bestzeit auf 59,239 Sekunden. Damit blieb er rund vier Zehntelsekunden über Michael Schumachers damaligem Streckenrekord. Badoer verwendete zwei Autos und absolvierte zusätzlich Startübungen.

Die intensive Arbeit zeigte erneut Ferraris komfortable Situation. Beide Weltmeisterschaften waren längst entschieden. Während McLaren und Williams noch um Platz zwei kämpften, konnte Ferrari die verbleibenden Rennen vorbereiten und gleichzeitig bereits Entwicklungskapazitäten auf das folgende Jahr verlagern.

Die Bremslicht-Idee wird wieder verschoben

Eine technische Idee aus den Wochen nach Burtis Unfall erreichte Indianapolis dagegen noch nicht. Die FIA hatte erwogen, beim US-Grand-Prix erstmals echte Bremslichter an Formel-1-Fahrzeugen zu testen. Diese sollten anzeigen, wenn ein Fahrer bremste oder das Gaspedal losließ.

Am Freitag bestätigte Frank Williams jedoch, dass sich die Teams gegen einen kurzfristigen Test ausgesprochen hatten. Die Technik sei für Indianapolis noch nicht ausreichend vorbereitet. Die Einführung wurde deshalb zunächst verschoben.

Formel-1-Autos verfügten bereits über rote Rückleuchten, diese dienten jedoch anderen Zwecken: Sie wurden vor allem bei schlechter Sicht eingesetzt oder blinkten in Verbindung mit dem Geschwindigkeitsbegrenzer in der Boxengasse. Ein tatsächliches Bremslicht wäre eine grundsätzlich neue Funktion gewesen.

Die Episode wirkte klein, passte aber zur Saisonphase. Nach mehreren schweren Unfällen wurde kaum eine Sicherheitsidee vorschnell abgetan – zugleich wollte die Formel 1 keine unausgereifte Lösung mitten in einem Rennwochenende einführen.

KW 38: Die Formel 1 macht sich auf den Weg

Die 38. Kalenderwoche brachte keinen Grand Prix. Trotzdem war sie entscheidend dafür, dass die Saison überhaupt wie vorgesehen fortgesetzt werden konnte. Indianapolis bestätigte das Rennen, die Sicherheitsmaßnahmen wurden verschärft und die ersten Fahrzeuge verließen Europa unter außergewöhnlichen Transportbedingungen in Richtung Vereinigte Staaten.

Gleichzeitig endete für Luciano Burti die Saison endgültig, während Alex Zanardis Genesung erstmals Anlass zu vorsichtigem Optimismus gab. Für Prost bedeutete dies Planungssicherheit mit Tomáš Enge, für das Umfeld zumindest eine gute Nachricht nach zwei belastenden Rennwochen.

Und während darüber diskutiert wurde, ob und wie die Formel 1 nach Indianapolis reisen sollte, begann im Hintergrund bereits die nächste Generation anzuklopfen. Felipe Massa fuhr erstmals einen Sauber, Pizzonia und Sperafico testeten Williams.

KW 38 war damit eine Übergangswoche in mehrfacher Hinsicht: zwischen Monza und Indianapolis, zwischen Unsicherheit und Rückkehr zum Rennbetrieb – und zwischen der Formel 1 des Jahres 2001 und einigen Fahrern, die ihre Zukunft erst noch prägen sollten.

Aus dem GPG-Archiv
F1 2001 – KW 37: Montoyas erster Sieg in einem stillen Monza
Formel 1 Saison 2001 · 13.09.2026

F1 2001 – KW 37: Montoyas erster Sieg in einem stillen Monza

Artikel lesen →
F1 2001 – KW 36: Burti erholt sich, McLaren wirbt um Räikkönen und Monza rückt näher
Formel 1 Saison 2001 · 06.09.2026

F1 2001 – KW 36: Burti erholt sich, McLaren wirbt um Räikkönen und Monza rückt näher

Artikel lesen →
F1 2001 – KW 35: Schumachers 52. Sieg und Burtis schwerer Unfall in Spa
Formel 1 Saison 2001 · 30.08.2026

F1 2001 – KW 35: Schumachers 52. Sieg und Burtis schwerer Unfall in Spa

Artikel lesen →
Motorsport-Geschichte Netzwerk

Auch interessant

San Marino 1985: Das Formel-1-Rennen, in dem plötzlich allen das Benzin ausging
GrandPrix-Geschichte · 14.09.2026

San Marino 1985: Das Formel-1-Rennen, in dem plötzlich allen das Benzin ausging

Artikel lesen →
Saleen Mustang GT2: Amerikas V8-Außenseiter auf dem Weg nach Le Mans
Langstrecken-Geschichte · 15.09.2026

Saleen Mustang GT2: Amerikas V8-Außenseiter auf dem Weg nach Le Mans

Bei LSG lesen →
Porsche 911 GT3 R: Wie Porsche den 911 für die neue GT3-Welt neu erfand
Langstrecken-Geschichte · 14.09.2026

Porsche 911 GT3 R: Wie Porsche den 911 für die neue GT3-Welt neu erfand

Bei LSG lesen →
Nigel Mansell und Jordan: Das Comeback, das mit 43 Jahren beinahe Wirklichkeit wurde
GrandPrix-Geschichte · 09.09.2026

Nigel Mansell und Jordan: Das Comeback, das mit 43 Jahren beinahe Wirklichkeit wurde

Artikel lesen →
Al Pease: Der einzige Formel-1-Fahrer, der wegen zu langsamer Fahrt disqualifiziert wurde
GrandPrix-Geschichte · 04.09.2026

Al Pease: Der einzige Formel-1-Fahrer, der wegen zu langsamer Fahrt disqualifiziert wurde

Artikel lesen →
Anzeige
Cookie Consent mit Real Cookie Banner