Zeitraum: 27. August bis 2. September 2001
Zwei Wochen nach seinem vorzeitigen Titelgewinn in Budapest kehrte Michael Schumacher an einen der wichtigsten Orte seiner Karriere zurück. In Spa-Francorchamps hatte er 1991 sein Formel-1-Debüt gegeben, ein Jahr später seinen ersten Grand Prix gewonnen. Am 2. September 2001 schrieb er auf derselben Strecke erneut Geschichte: Mit seinem 52. Grand-Prix-Sieg übertraf er Alain Prost und wurde zum erfolgreichsten Rennsieger der bisherigen Formel-1-Geschichte.
Doch der Rekord war nur eine Geschichte eines ungewöhnlichen Wochenendes. Williams besetzte zunächst die komplette erste Startreihe und brachte anschließend beide Fahrer durch bizarre Probleme um jede Siegchance. Heinz-Harald Frentzen stellte den Prost überraschend auf Startplatz vier. Giancarlo Fisichella führte Benetton zurück aufs Podium, Jean Alesi holte seinen ersten Punkt für Jordan – und Luciano Burti überstand bei Blanchimont einen Unfall, der das Rennen für lange Minuten in den Hintergrund treten ließ.
Alex Yoong bekommt seine Superlizenz
Die Woche begann mit jener Entscheidung, die sich bereits in KW 34 angebahnt hatte. Am Montag, dem 27. August, bestätigte die FIA, dass Alex Yoong die notwendige Superlizenz erhalten hatte. Damit stand seinem Formel-1-Debüt nichts mehr im Weg. Minardi kündigte an, dass der 25-Jährige beim Großen Preis von Italien in Monza erstmals antreten und Tarso Marques für die letzten drei Rennen der Saison ersetzen würde.
Yoong sollte damit der erste Malaysier werden, der an einem Formel-1-Grand-Prix teilnahm. Zuvor hatte er bei drei Testgelegenheiten für Minardi genügend schnelle Kilometer gesammelt, darunter den entscheidenden zweitägigen Einsatz in Mugello aus der Vorwoche. Unterstützt wurde sein Einstieg von der Magnum Corporation und staatlichen Stellen aus Malaysia. Marques blieb Minardi als Test- und Ersatzfahrer erhalten und sollte bei der Entwicklung für 2002 helfen.
Für Minardi war der Wechsel sportlich und wirtschaftlich zugleich interessant. Fernando Alonso hatte sich im ersten Auto längst als größeres Talent etabliert, während Marques nur selten an dessen Tempo herangekommen war. Mit Yoong erschloss sich das finanziell weiterhin angeschlagene Team zugleich einen neuen Markt in Südostasien. In Spa bestritt Marques damit bereits seinen vorerst letzten Grand Prix als Stammfahrer.
Schumacher kehrt an den Anfang seiner Karriere zurück
Der Große Preis von Belgien besaß für Michael Schumacher schon vor dem Start eine besondere Bedeutung. Genau zehn Jahre zuvor hatte er in Spa für Jordan sein überraschendes Formel-1-Debüt gegeben und sich sofort für den siebten Startplatz qualifiziert. Bereits 1992 folgte auf derselben Strecke sein erster Grand-Prix-Sieg. Nun kam er als frisch gekürter viermaliger Weltmeister zurück.
Sportlich ging es für Schumacher nicht mehr um die Weltmeisterschaft. Mit 94 Punkten war er seit Budapest uneinholbar, Ferrari stand ebenfalls bereits als Konstrukteursweltmeister fest. Der Druck lag nun auf den Verfolgern. David Coulthard, Rubens Barrichello und Ralf Schumacher kämpften noch um Rang zwei in der Fahrerwertung, während McLaren und Williams um den zweiten Platz bei den Konstrukteuren rangen.
Spa schien dabei zunächst eher Williams entgegenzukommen. Die langen Vollgaspassagen passten zum leistungsstarken BMW-V10, und Ralf Schumacher erhielt ein überarbeitetes FW23-Chassis. Nach dem Doppelsieg von Ferrari in Budapest sollte sich das Kräfteverhältnis auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke wieder verschieben. Genau danach sah es am Samstag tatsächlich aus – zumindest bis zum Rennstart.
Regen, Nebel und kaum brauchbare Vorbereitung
Typisch für Spa spielte das Wetter bereits in den Trainings eine zentrale Rolle. Regen sorgte am Freitag für schwierige Bedingungen, am Samstagmorgen machte dichter Nebel einen normalen Ablauf schließlich unmöglich. Die erste geplante Samstagssitzung musste abgesagt werden, weil die medizinischen Hubschrauber aufgrund der schlechten Sicht nicht sicher eingesetzt werden konnten.
Erst rund zwei Stunden später konnte eine einzelne 45-minütige Trainingssitzung stattfinden. Dadurch fehlten den Teams wichtige Kilometer für Abstimmung und Reifenvergleich. Gerade auf einer Strecke wie Spa, auf der trockene und nasse Abschnitte gleichzeitig auftreten können, wurde die Vorbereitung damit zum Glücksspiel.
Auch das anschließende Qualifying begann auf feuchter Strecke. Die Bedingungen verbesserten sich jedoch kontinuierlich. Damit entstand eine klassische Spa-Situation: Nicht allein Geschwindigkeit entschied über die Pole-Position, sondern auch die Frage, wer zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Reifen auf der Strecke war.
Montoya gewinnt das Reifenpoker
Lange Zeit sah es nicht nach einer Williams-Pole aus. Mika Häkkinen, David Coulthard und Michael Schumacher wechselten sich an der Spitze ab, während die Strecke zunehmend abtrocknete. Viele Fahrer setzten zunächst auf Regenreifen oder Intermediates. Erst in den Schlussminuten wurde die trockene Linie breit genug, um die profilierten Trockenreifen der damaligen Formel 1 einzusetzen.
Juan Pablo Montoya und Ralf Schumacher gehörten zu den Fahrern, die diesen Wechsel konsequent wagten. Montoya setzte zunächst 1:55,875 Minuten, wurde kurz darauf von seinem Teamkollegen unterboten und erhielt anschließend noch eine letzte Gelegenheit. Mit 1:52,072 Minuten fuhr der Kolumbianer schließlich eine Zeit, an die niemand mehr herankam. Ralf Schumacher lag 0,887 Sekunden zurück.
Michael Schumacher musste sich mit einem Rückstand von 2,613 Sekunden mit Platz drei begnügen. Er hatte für seinen letzten Versuch in das auf trockene Bedingungen abgestimmte Ersatzauto gewechselt, konnte den Williams-Doppelschlag aber nicht verhindern. Montoya sicherte sich damit die zweite Pole-Position seiner Formel-1-Karriere.
Das Bild schien eindeutig: Williams hatte auf einer Strecke, die dem FW23 entgegenkam, beide Autos in die erste Startreihe gestellt. Doch bereits wenige Minuten nach dem Qualifying gab es Diskussionen. Nick Heidfeld hatte seinen Sauber am Streckenrand abgestellt, Gelbe Flaggen wurden gezeigt, und McLaren protestierte gegen zahlreiche Fahrer, die dort möglicherweise nicht ausreichend verlangsamt hatten. Der Protest wurde zurückgewiesen.
Frentzen stellt den Prost auf Startplatz vier
Hinter den beiden Williams und Michael Schumacher gelang Heinz-Harald Frentzen eine der Überraschungen des Wochenendes. In erst seinem zweiten Grand Prix für Prost stellte er den AP04 auf Startplatz vier. Seine Zeit von 1:55,233 Minuten brachte ihn sogar vor Rubens Barrichello, Jacques Villeneuve und beide McLaren.
Das Ergebnis war bemerkenswert, weil Frentzen erst wenige Wochen zuvor bei Jordan entlassen worden war und den Prost weiterhin kaum kannte. In Ungarn hatte sein Debüt noch mit einem Dreher geendet. Spa zeigte nun, welches Potenzial die Kombination aus dem Michelin-Reifen und dem Ferrari-basierten Acer-Motor unter den passenden Bedingungen besitzen konnte.
Jean Alesi erlebte dagegen ein deutlich schwierigeres Qualifying. Der Franzose kam mit seinem Jordan EJ11 auf Rang 13, während Jarno Trulli sogar nur 16. wurde. Alesis zweites Rennwochenende für Jordan begann damit unspektakulär. Im Rennen sollte sich das Verhältnis jedoch umkehren.
Vier Fahrer verpassten unter den wechselhaften Bedingungen die 107-Prozent-Marke: Jos Verstappen, Fernando Alonso, Enrique Bernoldi und Tarso Marques. Aufgrund des Wetters erhielten sie trotzdem die Starterlaubnis.
Frentzen stoppt den ersten Start
Der Rennsonntag begann trocken, doch bereits die Startprozedur entwickelte sich chaotisch. Noch bevor die fünf roten Ampeln erloschen waren, blieb Heinz-Harald Frentzens Prost auf seinem vierten Startplatz stehen. Der Deutsche hatte Probleme beim Einlegen des ersten Gangs und würgte den Motor ab. Rennleiter Charlie Whiting brach den Start ab.
Frentzen musste daraufhin ans Ende des Feldes zurück. Die Renndistanz wurde wegen der zusätzlichen Einführungsrunde von ursprünglich 44 auf 43 Runden reduziert. Für Prost war die starke Ausgangslage nach dem überraschenden Qualifying innerhalb weniger Sekunden praktisch verschwunden.
Doch Williams sollte es unmittelbar danach noch härter treffen. Als das Feld zur nächsten Einführungsrunde losfuhr, blieb Pole-Setter Juan Pablo Montoya auf seinem Platz stehen. Sein Motor lief zunächst, starb aber beim Betätigen der Kupplung ab. Auch der Kolumbianer musste damit vom Ende des Feldes starten.
Aus einer kompletten Williams-Frontreihe wurde innerhalb weniger Minuten nur noch Ralf Schumacher an der Spitze. Michael Schumacher rückte praktisch auf die erste Startreihe vor. Das Wochenende, das für Williams nach dem Qualifying nach einem möglichen Doppelsieg ausgesehen hatte, begann auseinanderzufallen.
Michael Schumacher braucht nur eine Runde
Ralf Schumacher behauptete beim tatsächlichen Start zunächst die Führung. Hinter ihm folgte sein Bruder Michael, während Giancarlo Fisichella im Benetton einen ausgezeichneten Start erwischte und auf Rang drei nach vorne kam. Die McLaren lagen zunächst dahinter.
Die Führung von Ralf hielt allerdings nicht einmal eine komplette Runde. Auf dem Weg zu Les Combes nutzte Michael Schumacher den Windschatten seines Bruders, zog vorbei und setzte sich sofort ab. Bereits nach zwei Runden betrug sein Vorsprung mehrere Sekunden.
Montoya begann unterdessen seine Aufholjagd vom Ende des Feldes, während Alesi ebenfalls Positionen gewann. Das Rennen schien sich nach dem chaotischen Start gerade zu stabilisieren. Doch im hinteren Mittelfeld kämpften Eddie Irvine im Jaguar und Luciano Burti im Prost um eine Position.
Dieser Zweikampf führte wenige Minuten später zu einem der schwersten Unfälle der Saison.
Burtis Unfall stoppt das Rennen
In der fünften Runde des ursprünglichen Rennablaufs griff Luciano Burti Eddie Irvine im extrem schnellen Abschnitt vor Blanchimont an. Beide Fahrzeuge berührten sich. Burtis Prost verlor dabei den Frontflügel, schoss mit hoher Geschwindigkeit über die Auslaufzone und schlug nahezu ungebremst in den Reifenstapel ein. Zeitgenössische Berichte bezifferten die Geschwindigkeit auf mehr als 240 km/h.
Der AP04 verschwand tief unter den Reifen. Irvine konnte seinen beschädigten Jaguar verlassen und lief unmittelbar zur Unfallstelle zurück. Gemeinsam mit Streckenposten und medizinischem Personal begann er, Reifen vom Prost zu entfernen. Zunächst wurde das Safety-Car eingesetzt, kurz darauf entschied die Rennleitung wegen der Schwere des Unfalls auf Rot.
Die Bilder ließen zunächst Schlimmes befürchten. Ein Sichtschutz wurde um das Fahrzeug errichtet, während Burti behandelt wurde. Noch an der Strecke kam jedoch die Nachricht, dass der Brasilianer bei Bewusstsein war und selbstständig atmete. Nach der Erstversorgung wurde er in das Universitätsklinikum von Lüttich geflogen. Diagnostiziert wurde eine schwere Gehirnerschütterung; Knochenbrüche wurden zunächst nicht festgestellt.
Die FIA wertete die Berührung später als Rennunfall und verhängte gegen Irvine keine Strafe. Für Burti war es bereits der zweite schwere Zwischenfall innerhalb von drei Rennen, nachdem er in Hockenheim nach einer Kollision mit Michael Schumacher spektakulär abgeflogen war.
Der erste Rennteil wird annulliert
Aufgrund der damaligen Regeln hatte die Rote Flagge eine Konsequenz, die aus heutiger Sicht ungewöhnlich wirkt. Da noch nicht genügend Distanz absolviert worden war, wurde der erste Rennteil vollständig annulliert. Die Reihenfolge nach vier absolvierten Runden bestimmte lediglich die Startaufstellung für einen komplett neuen Lauf.
Die verbleibende Renndistanz wurde auf 36 Runden festgelegt. Michael Schumacher erhielt aufgrund seiner Führung im abgebrochenen ersten Teil den ersten Startplatz, Ralf Schumacher stand daneben. Giancarlo Fisichella begann den Neustart von Rang sechs. Irvine und Burti konnten selbstverständlich nicht mehr antreten. Auch Kimi Räikkönen und Fernando Alonso fehlten beim Neustart aufgrund technischer Probleme aus dem ersten Rennabschnitt.
Nach Burtis Unfall verging eine längere Pause. Erst nachdem klar war, dass der Brasilianer lebend und in stabilem Zustand ins Krankenhaus gebracht worden war, rückte das sportliche Geschehen wieder in den Vordergrund.
Williams hatte dabei noch einen weiteren Fehler vorbereitet.
Ralf Schumacher bleibt auf den Wagenhebern stehen
Als die Fahrzeuge zur Einführungsrunde des Neustarts aufbrechen sollten, stand Ralf Schumachers Williams noch immer auf den Wagenhebern. Die Mechaniker hatten Arbeiten am Auto nicht rechtzeitig abgeschlossen. Während das übrige Feld losfuhr, blieb der FW23 mit abgenommenen Rädern beziehungsweise noch nicht vollständig startbereit auf seinem Platz stehen.
Ralf musste daraufhin ebenfalls ans Ende des Feldes. Damit hatte Williams innerhalb eines Rennsonntags beide Autos aus aussichtsreichen Spitzenpositionen an das Ende der Startaufstellung gebracht: zunächst Montoya durch dessen abgestorbenen Motor, anschließend Ralf durch den Fehler beim Neustart.
Für Michael Schumacher war der Weg an der Spitze nun weitgehend frei. Hinter ihm entstand allerdings eine neue Überraschung. Fisichella katapultierte seinen Benetton beim Neustart von Rang sechs auf den zweiten Platz. Barrichello folgte auf Rang drei, dahinter kämpften die McLaren.
Schon nach wenigen Runden setzte sich Schumacher deutlich ab. Nach sechs Umläufen führte der Ferrari bereits mit ungefähr 14 Sekunden.
Fisichella bringt Benetton zurück
Während Schumacher vorne verschwand, wurde Giancarlo Fisichella zur eigentlichen Überraschung des Rennens. Der B201 hatte während der Saison nur selten die Geschwindigkeit der Spitzenteams gezeigt. In Spa passten Fahrzeug, Michelin-Reifen und Abstimmung jedoch ungewöhnlich gut zusammen.
Fisichella verteidigte Rang zwei zunächst gegen Barrichello, Häkkinen und Coulthard. Beim ersten Boxenstopp wechselte Benetton nur die Hinterreifen, weil neue Vorderreifen nach Einschätzung des Italieners stärker zum Körnen neigten. Die Strategie funktionierte: Nach seinem Halt blieb Fisichella auf dem zweiten Platz.
Coulthard rückte hinter ihn vor und verbrachte anschließend einen großen Teil des Rennens im Heck des Benetton. Obwohl dem Renault-Motor auf den langen Geraden Leistung fehlte, konnte der McLaren zunächst keinen Weg vorbei finden. Zusätzlich verlor Fisichellas Auto im Verlauf des Rennens Öl, was Coulthards Sicht erschwerte.
Benetton, das sich seit Monaten auf die vollständige Übernahme durch Renault vorbereitete, stand damit plötzlich vor seinem besten Ergebnis der Saison. Für Fisichella war es zugleich eine Gelegenheit, noch einmal zu zeigen, warum er trotz des schwierigen Jahres zu den gefragtesten Fahrern im Mittelfeld gehörte.
Barrichello und Button treffen dieselbe Falle
Während Fisichella um das Podium kämpfte, brachte sich Rubens Barrichello selbst aus dem Rennen um die ersten drei Plätze. In der Bus-Stop-Schikane traf der Ferrari-Pilot einen der Streckenbegrenzungskegel. Dabei wurde sein Frontflügel abgerissen. Barrichello musste eine komplette Runde ohne funktionierenden Frontflügel absolvieren, bevor er ihn an der Box ersetzen lassen konnte.
Nur wenig später widerfuhr Jenson Button beinahe dasselbe. Auch der Benetton-Pilot traf die Begrenzungselemente an der Schikane, verlor seinen Frontflügel und konnte das Fahrzeug anschließend nicht mehr kontrollieren. Sein Rennen endete in der Streckenbegrenzung.
Michael Schumacher leistete sich ebenfalls einen kurzen Fehler. Beim Bedienen mehrerer Funktionen am Lenkrad verlor er nach eigener Aussage für einen Moment die Konzentration, kam von der Strecke ab und näherte sich der Begrenzung gefährlich. Sein Vorsprung war zu diesem Zeitpunkt jedoch so groß, dass der Zwischenfall keine Folgen hatte.
Barrichello kämpfte sich nach seinem zusätzlichen Stopp wieder nach vorne und sollte später noch eine wichtige Rolle im Kampf um die letzten Punkte spielen.
Coulthard holt sich Platz zwei
Nach den zweiten Boxenstopps blieb Fisichella zunächst Zweiter. Coulthard konnte den Benetton auch über die Strategie nicht überholen und musste den Platz auf der Strecke gewinnen. Mit neun verbleibenden Runden gelang schließlich der entscheidende Angriff bei Les Combes.
Der McLaren zog außen am Benetton vorbei und übernahm Rang zwei. Schumacher lag zu diesem Zeitpunkt bereits ungefähr eine halbe Minute voraus. Für den Sieg spielte das Duell deshalb keine Rolle mehr. Coulthard sicherte mit Platz zwei jedoch sechs wichtige Punkte im Kampf um die Vizeweltmeisterschaft.
Fisichella verteidigte anschließend den dritten Platz und brachte Benetton erstmals seit dem Großen Preis von Kanada 2000 wieder aufs Podium. Nach einer Saison, in der das Team häufig im hinteren Mittelfeld gefahren war, war Rang drei in Spa ein außergewöhnliches Ergebnis.
Mika Häkkinen folgte auf Platz vier. Barrichello erreichte trotz seines beschädigten Frontflügels noch Rang fünf. Dahinter entwickelte sich auf den letzten Runden ein enger Kampf um den letzten WM-Punkt.
Alesi holt seinen ersten Jordan-Punkt
Jean Alesi hatte nach Startplatz 13 kontinuierlich Boden gutgemacht. Bereits im annullierten ersten Rennteil war er nach vorne gefahren, und auch nach dem Neustart bewegte er sich in Reichweite der Punkteränge. Nach den Boxenstopps lag er zunächst hinter Jarno Trulli.
Trulli befand sich ebenfalls auf Punktekurs, musste seinen Jordan jedoch fünf Runden vor Schluss mit einem Motorschaden abstellen. Dadurch rückte Alesi in den Kampf um Platz sechs. Hinter ihm näherte sich Ralf Schumacher, der nach seinem Start vom Ende des Feldes wieder weit nach vorne gekommen war.
Alesi verteidigte seine Position bis ins Ziel. Nach 36 Runden lag er nur 0,302 Sekunden vor dem Williams und holte damit seinen ersten WM-Punkt für Jordan. Es war zugleich der zweite Punktegewinn in Folge für den Franzosen, nachdem er in Hockenheim noch für Prost Sechster geworden war.
Für Jordan war der Punkt besonders wertvoll. Das Team zog dadurch in der Konstrukteurswertung mit BAR gleich und lag aufgrund der besseren Einzelergebnisse auf Rang fünf. Alesis kurzfristige Verpflichtung hatte damit bereits im zweiten gemeinsamen Rennen einen sportlichen Ertrag geliefert.
Heinz-Harald Frentzen beendete sein zweites Prost-Rennen auf Rang neun. Nach dem verlorenen vierten Startplatz war das Ergebnis enttäuschend, doch immerhin brachte er den AP04 diesmal ins Ziel.
Schumacher wird alleiniger Rekordsieger
An der Spitze war Michael Schumacher längst außer Reichweite. Nach 36 Runden gewann er mit 10,098 Sekunden Vorsprung vor David Coulthard. Giancarlo Fisichella lag weitere 17 Sekunden zurück. Schumacher hatte zudem in Runde sieben mit 1:49,758 Minuten die schnellste Runde des Rennens gefahren.
Es war sein achter Sieg der Saison und der 52. seiner Karriere. Damit übertraf er Alain Prost, dessen Marke von 51 Erfolgen seit 1993 bestanden hatte. Zwei Wochen zuvor hatte Schumacher in Budapest mit Prost bei Siegen und Weltmeistertiteln gleichgezogen; in Spa übernahm er nun allein die Führung in der Grand-Prix-Siegstatistik.
Die Kulisse machte den Rekord zusätzlich besonders. Auf derselben Strecke hatte Schumacher zehn Jahre zuvor seine Formel-1-Laufbahn begonnen und neun Jahre zuvor erstmals gewonnen. Spa war über seine gesamte Karriere hinweg eng mit ihm verbunden – 2001 kam ein weiterer historischer Moment hinzu.
Nach dem Rennen spielte Schumacher die Bedeutung der Statistik herunter und verwies darauf, dass er Rekorde vermutlich erst nach seiner aktiven Karriere wirklich würdigen werde. Auf der Strecke hatte er jedoch keinen Eindruck vermittelt, nach dem bereits gewonnenen Titel weniger motiviert zu sein.
Williams verspielt seine große Chance
Für Williams endete Spa dagegen als eines der frustrierendsten Wochenenden der Saison. Am Samstag hatte das Team mit Montoya und Ralf Schumacher die komplette erste Reihe besetzt. Auf einer Strecke, die dem BMW-Motor hervorragend lag, schien erstmals seit Hockenheim wieder ein Sieg realistisch.
Am Sonntag brach alles zusammen. Montoya würgte seinen Wagen vor dem ersten Start ab und musste von hinten beginnen. Nach dem Neustart kollidierte er mit Pedro de la Rosa und schied wenig später mit einem Motorschaden aus. Ralf Schumacher verlor seine aussichtsreiche Startposition beim zweiten Rennbeginn, weil sein Fahrzeug noch auf den Wagenhebern stand.
Immerhin kämpfte sich Ralf noch bis auf Rang sieben nach vorne und verpasste Alesis letzten WM-Punkt nur um drei Zehntelsekunden. Für Williams blieb dennoch ein Nuller. McLaren konnte dadurch seinen Vorsprung im Kampf um den zweiten Konstrukteursrang deutlich ausbauen.
Das Wochenende zeigte erneut ein Muster der Saison 2001: Williams besaß auf bestimmten Strecken genügend Geschwindigkeit, um Ferrari zu schlagen, konnte dieses Potenzial aber nicht zuverlässig in Ergebnisse umsetzen.
Die Weltmeisterschaft nach Spa
Michael Schumacher erhöhte sein Punktekonto auf 104 Zähler. David Coulthard festigte mit nun 57 Punkten seinen zweiten Platz. Rubens Barrichello folgte mit 48 Zählern vor Ralf Schumacher mit 44. Mika Häkkinen lag nach Rang vier in Spa bei 24 Punkten.
Dahinter blieb Juan Pablo Montoya trotz seines Ausfalls mit 15 Punkten Sechster. Jacques Villeneuve und Nick Heidfeld standen bei jeweils elf Zählern, Jarno Trulli und Kimi Räikkönen bei jeweils neun. Fisichella rückte durch sein Podium mit acht Punkten bis auf Rang elf vor. Alesi besaß nach seinem sechsten Platz nun fünf Punkte.
Bei den Konstrukteuren führte der bereits feststehende Weltmeister Ferrari mit 152 Punkten. McLaren kam auf 81 und baute seinen Vorsprung auf Williams aus, das bei 59 Punkten blieb. Sauber behauptete mit 20 Zählern Platz vier. BAR und Jordan standen bei jeweils 16 Punkten, wobei Jordan aufgrund der besseren Einzelergebnisse vor BAR geführt wurde.
Noch drei Grands Prix standen aus. Der Weltmeister war längst gefunden, doch hinter Schumacher blieben der Kampf um die weiteren WM-Plätze und mehrere Teamduelle offen.
Vor 25 Jahren · Formel 1 2001 · KW 35
Großer Preis von Belgien 2001
Freies Training 3 – Samstag
Dichter Nebel und die dadurch fehlende Einsatzfähigkeit der medizinischen Rettungshubschrauber verhinderten die erste Samstagssitzung. Es existiert deshalb keine Fahrerklassifikation für FT3.
Ein Rennen zwischen Rekord und Erleichterung
Die 35. Kalenderwoche des Jahres 2001 endete mit einem weiteren historischen Erfolg Michael Schumachers. Auf jener Strecke, auf der seine Formel-1-Karriere zehn Jahre zuvor begonnen hatte, gewann er seinen 52. Grand Prix und übernahm damit allein den damaligen Siegrekord.
Sportlich hätte Spa eigentlich Williams gehören können. Montoya und Ralf Schumacher dominierten das entscheidende Qualifying, doch beide verloren ihre Startpositionen durch ungewöhnliche Fehler. Aus einer kompletten ersten Reihe wurde ein punkteloses Wochenende. Fisichella nutzte das Chaos dagegen für Benettons erstes Podium seit mehr als einem Jahr, während Alesi Jordan seinen ersten Punkt seit dem Wechsel bescherte.
Doch die sportlichen Geschichten standen lange im Schatten des Unfalls von Luciano Burti. Der Prost schlug bei hoher Geschwindigkeit in die Reifenbarriere von Blanchimont ein und verschwand nahezu vollständig darunter. Dass bereits am Sonntag die Nachricht von seinem stabilen Zustand die Runde machte, war wichtiger als jedes Ergebnis.
Spa 2001 wurde deshalb aus zwei sehr unterschiedlichen Gründen in Erinnerung behalten: als der Tag, an dem Michael Schumacher zum alleinigen Rekordsieger der Formel 1 wurde – und als der Tag, an dem die verbesserten Sicherheitsstandards einem Fahrer halfen, einen der erschreckendsten Unfälle der Saison zu überstehen.
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