Zeitraum: 22. bis 28. Oktober 2001

Zwei Wochen nach dem Saisonfinale rückte die Vorbereitung auf 2002 immer stärker in den Mittelpunkt. Toyota bestätigte seinen zweiten Stammfahrer, McLaren und Ferrari blickten bereits auf den nächsten Titelkampf und Silverstone versuchte, seine Zukunft im Formel-1-Kalender abzusichern. Die bedeutendste Entwicklung spielte sich jedoch bei Sauber ab: Nach sieben gemeinsamen Jahren kündigten die Schweizer das Ende ihrer Partnerschaft mit Red Bull an. Gleichzeitig wurde eine alte Geschichte noch einmal aktuell – Jordan kämpfte vor dem FIA-Berufungsgericht um Jarno Trullis verlorenen vierten Platz von Indianapolis.

McNish bekommt endlich sein Toyota-Cockpit

Am Montag bestätigte Toyota Allan McNish als zweiten Stammfahrer für die Debütsaison 2002. Der 31 Jahre alte Schotte sollte gemeinsam mit Mika Salo antreten. McNish hatte bereits das komplette Jahr als Testfahrer am Aufbau des neuen Formel-1-Projekts gearbeitet, doch seine Beförderung war lange nicht endgültig garantiert. Andere etablierte Fahrer waren ebenfalls mit dem finanzstarken Werksteam in Verbindung gebracht worden. Toyota entschied sich schließlich für Kontinuität und belohnte McNish für seine umfangreiche Entwicklungsarbeit mit dem TF101.

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McNish kam über einen ungewöhnlichen Weg in die Formel 1. Nach vielversprechenden Jahren im Nachwuchsbereich hatte seine Einsitzerkarriere an Schwung verloren, dafür etablierte er sich im Sportwagensport und gewann 1998 mit Porsche die 24 Stunden von Le Mans. Direkt nach der Bekanntgabe setzte Toyota sein Testprogramm in Suzuka fort. Salo und McNish arbeiteten unter anderem an Startautomatik und Motorsteuerung. Die Rundenzeiten blieben unspektakulär, doch Toyota sammelte weitere Kilometer für den Einstieg, der nach jahrelanger Vorbereitung nun tatsächlich bevorstand.

Silverstone reduziert die Zuschauerzahl – Moskau träumt von der Formel 1

Während Toyota seinen Einstieg vorbereitete, kämpfte eine der traditionsreichsten Strecken um ihre Position im Kalender. Die Veranstalter des britischen Grand Prix kündigten an, 2002 rund 30.000 Zuschauer weniger zuzulassen. Kostenlose Park-and-Ride-Angebote sollten den Verkehr rund um Silverstone reduzieren. Gleichzeitig stiegen die Eintrittspreise: Ein Drei-Tages-Ticket kostete zunächst 190 Pfund, später sollten 199 Pfund verlangt werden. Nach dem Verkehrs- und Schlammchaos von 2000 stand die Strecke weiterhin unter erheblichem Druck, ihre Infrastruktur grundlegend zu verbessern.

Gleichzeitig arbeitete Russland an einem völlig neuen Formel-1-Projekt. Für 2003 wurde ein Grand Prix in Moskau ins Gespräch gebracht, als Standort galt ein Gelände im Süden der Hauptstadt. Noch existierte dort allerdings keine fertige Rennstrecke, und auch der ohnehin dichte Kalender ließ wenig Spielraum. Die Pläne waren deshalb zunächst kaum mehr als ein ambitioniertes Zukunftsprojekt. Dennoch zeigten sie eine Entwicklung, die immer deutlicher wurde: Neben den klassischen europäischen Strecken drängten neue Märkte in die Formel 1 und warben um die Aufmerksamkeit von Bernie Ecclestone.

Coulthard und Schumacher denken bereits an den nächsten Titelkampf

David Coulthard begann unterdessen bereits mit der Vorbereitung auf seine nächste WM-Chance. Der Schotte ließ bei McLaren seine Sitzposition für das Auto von 2002 anpassen und erklärte, sein Leben stärker auf den Titelkampf ausrichten zu wollen. Nach Rang zwei in der Weltmeisterschaft sollte es keine Ablenkungen und keine Ausreden mehr geben. Intern änderte sich die Situation ebenfalls grundlegend: Mika Häkkinen pausierte, während der erst 22 Jahre alte Kimi Räikkönen nach nur einer Saison bei Sauber zu McLaren wechselte.

Auch Michael Schumacher beschäftigte sich bereits mit der nächsten Herausforderung. Nachdem er Juan Pablo Montoya während der Saison mehrfach eher zurückhaltend bewertet hatte, bezeichnete der Weltmeister den Kolumbianer nun ausdrücklich als starken Fahrer und möglichen Rivalen. Williams-BMW hatte 2001 vier Rennen gewonnen und sich besonders in der zweiten Saisonhälfte deutlich gesteigert. Neben McLaren galt das Team deshalb als wahrscheinlichster Gegner Ferraris für 2002. Kaum zwei Wochen nach Suzuka hatte die Diskussion über den nächsten Titelkampf bereits begonnen.

Sauber und Red Bull beenden ihre siebenjährige Partnerschaft

Am Donnerstag wurde eine Trennung bekannt, die sich schon länger abgezeichnet hatte. Sauber bestätigte, dass die Zusammenarbeit mit Red Bull zum 31. Dezember 2001 enden werde. Der neue C21 sollte in der folgenden Saison ohne das Branding des österreichischen Unternehmens antreten. Gerade der Zeitpunkt war bemerkenswert: Sauber hatte mit 21 Punkten und Rang vier gerade die erfolgreichste Konstrukteurs-Weltmeisterschaft seiner bisherigen Formel-1-Geschichte abgeschlossen.

Red Bull war seit Mitte der 1990er-Jahre eng mit Sauber verbunden und nicht nur Sponsor, sondern über Dietrich Mateschitz auch finanziell am Team beteiligt. Die Vorstellungen über die zukünftige Ausrichtung gingen jedoch zunehmend auseinander. Gleichzeitig hatte Red Bull seine Verbindung zu Arrows intensiviert, wo mit Enrique Bernoldi bereits ein eigener Förderpilot fuhr. Im Herbst 2001 wurde deshalb immer deutlicher, dass Mateschitz in der Formel 1 nach einer Plattform suchte, auf deren sportliche und strategische Ausrichtung er größeren Einfluss nehmen konnte.

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Räikkönen statt Bernoldi wurde zum Symbol des Konflikts

Zum sichtbarsten Streitpunkt der Partnerschaft war die Fahrerwahl für 2001 geworden. Red Bull wollte Enrique Bernoldi im zweiten Sauber sehen. Peter Sauber entschied sich stattdessen für den nahezu unbekannten Kimi Räikkönen, der vor seinem Formel-1-Debüt lediglich 23 Autorennen in Einsitzern bestritten hatte. Bernoldi landete anschließend bei Arrows, während Räikkönen trotz anfänglicher Zweifel sofort überzeugte und neun WM-Punkte sammelte.

Sportlich hatte die Entscheidung Peter Saubers Position eindrucksvoll bestätigt. Räikkönen etablierte sich innerhalb weniger Monate in der Formel 1 und wechselte für 2002 als Nachfolger Häkkinens zu McLaren. Gemeinsam mit Nick Heidfeld trug er entscheidend dazu bei, dass Sauber Platz vier der Konstrukteurswertung erreichte. Die unterschiedlichen Vorstellungen zwischen Sauber und Red Bull waren damit allerdings nicht verschwunden. Ende Oktober wurde aus dem Konflikt um einzelne Entscheidungen eine endgültige Trennung – und Red Bull orientierte sich stärker in Richtung Arrows.

Michelin erhebt einen schweren Vorwurf gegen Ferrari

Am Freitag bekam auch der Reifenkrieg zwischen Michelin und Bridgestone neuen Zündstoff. Michelin-Sportchef Pierre Dupasquier behauptete öffentlich, Ferrari habe bei den letzten beiden Saisonrennen chemisch behandelte Reifen eingesetzt. Als Indiz führte er unter anderem einen auffälligen Geruch der Reifen an. Damit stellte Michelin indirekt die Frage, ob eine Behandlung der Oberfläche den besonders starken Grip Ferraris auf frischen Bridgestone-Reifen erklärt haben könnte.

Entscheidend war jedoch die Trennung zwischen Vorwurf und nachgewiesenem Regelverstoß. Es gab weder eine entsprechende Feststellung der FIA noch eine erfolgreiche Protestentscheidung gegen Ferrari. Bridgestone hatte 2001 insbesondere mit neuen Reifen häufig Vorteile gezeigt, während Michelin-Teams teilweise auf bereits angefahrene Pneus setzten, um deren Verhalten über einen Rennstint zu verbessern. Dupasquiers Aussagen belegten deshalb vor allem, wie hart der neu entfachte Reifenkrieg bereits nach seiner ersten gemeinsamen Saison geführt wurde.

Jordan gewinnt vor dem Berufungsgericht

Ebenfalls am Freitag wurde in Paris ein Fall verhandelt, der fast einen Monat zurücklag. Jarno Trulli hatte den Großen Preis der USA in Indianapolis ursprünglich auf Rang vier beendet, war nach der technischen Kontrolle jedoch ausgeschlossen worden. Der Unterboden seines Jordan hatte die vorgeschriebene Mindeststärke nicht eingehalten. Das Team argumentierte, die Abweichung sei durch Schäden während des Rennens entstanden. Für den Ausgang des Berufungsverfahrens wurde letztlich jedoch ein anderer Punkt entscheidend.

Bei der ursprünglichen Anhörung in Indianapolis waren nur zwei der drei Rennkommissare anwesend gewesen, obwohl die Entscheidung dem vollständigen Gremium zugerechnet worden war. Das Internationale Berufungsgericht der FIA sah dadurch die Verfahrensregeln und die Verteidigungsrechte Jordans verletzt. Die ursprüngliche Entscheidung wurde aufgehoben. Damit erhielt Trulli seinen vierten Platz zurück, obwohl die technische Frage des abgenutzten Unterbodens damit nicht grundsätzlich zugunsten Jordans entschieden worden war.

Die Folgen reichten bis in die bereits abgeschlossene Weltmeisterschaft. Jordan bekam Trullis drei Punkte zurück, verlor allerdings den einen Zähler, den Jean Alesi durch die ursprüngliche Disqualifikation nachträglich erhalten hatte. Mit nun 19 Punkten rückte Jordan wieder an BAR vorbei auf Rang fünf der Konstrukteurswertung. Der Erfolg war besonders wichtig, weil beide Teams mit Honda-Motoren antraten und um die langfristige Unterstützung des japanischen Herstellers konkurrierten.

KW 43: Red Bull sucht einen neuen Weg

KW 43 zeigte, wie schnell sich die Formel 1 nach dem letzten Rennen neu sortierte. Toyota baute sein Debütprogramm weiter aus, McLaren und Williams positionierten sich für den Kampf gegen Ferrari, Silverstone arbeitete an seiner Zukunft und in Moskau träumte man bereits vom eigenen Grand Prix. Gleichzeitig führte der Konkurrenzkampf zwischen Michelin und Bridgestone auch nach Saisonende zu neuen Spannungen.

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Die langfristig interessanteste Entwicklung spielte sich jedoch zwischen Sauber und Red Bull ab. Der Konflikt um Räikkönen und Bernoldi hatte gezeigt, dass beide Partner unterschiedliche Vorstellungen über die Kontrolle sportlicher Entscheidungen besaßen. Nach sieben gemeinsamen Jahren trennten sich ihre Wege – während Red Bull seine Beziehung zu Arrows ausbaute. Im Herbst 2001 war noch nicht abzusehen, wohin dieser Weg führen würde. Rückblickend war die Trennung jedoch ein weiterer Schritt in einer Entwicklung, durch die Red Bull seine Rolle in der Formel 1 grundlegend verändern sollte.

Und selbst die Saison 2001 war noch nicht vollständig abgeschlossen. Vier Wochen nach Indianapolis wurde das Ergebnis des US-Grand-Prix erneut geändert und Jordan rückte nachträglich auf Rang fünf der Konstrukteurswertung vor. KW 43 war damit eine Woche, in der kaum gefahren, aber umso mehr entschieden wurde – über Fahrer, Rennstrecken, Partnerschaften und sogar noch einmal über das endgültige Ergebnis der Weltmeisterschaft.

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