Das weltbekannte ABBA-Logo machte Slim Borgudd zu einem der ungewöhnlichsten Fahrer der Formel-1-Geschichte. Doch der Schwede war kein Musiker, der sich mithilfe prominenter Freunde ein Renncockpit kaufte. Borgudd war schwedischer Formel-3-Meister, behauptete sich gegen spätere Grand-Prix-Sieger und finanzierte seine Karriere jahrelang mit Auftritten und Studioarbeit. Bei ATS erzielte er unter schwierigen Umständen einen WM-Punkt, bevor seine Formel-1-Laufbahn bereits nach zehn Rennstarts endete. Seine größten sportlichen Erfolge sollten erst danach folgen.

Beim Großen Preis von Großbritannien 1981 lag in Slim Borgudds ATS ein Schraubenschlüssel im Fußraum. Ein Mechaniker hatte das Werkzeug dort offenbar vergessen. Bereits in der ersten Runde drohte es, das Gaspedal zu blockieren. Borgudd hielt den Schraubenschlüssel deshalb während des Rennens mit seinem linken Fuß vom Pedal fern. Die Kupplung konnte er dadurch kaum noch benutzen. Nach 68 Runden erreichte er dennoch den sechsten Platz und erzielte seinen einzigen Formel-1-Punkt.

Als Schlagzeuger, erklärte Borgudd später, sei er daran gewöhnt gewesen, beide Füße unabhängig voneinander einzusetzen. Die Geschichte wirkte beinahe zu passend, um wahr zu sein. Sie fasste jedoch vieles zusammen, was seine Karriere auszeichnete: Improvisation, widrige Bedingungen und die Fähigkeit, aus begrenzten Möglichkeiten mehr herauszuholen, als zu erwarten gewesen wäre.

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Der Name „Slim“ entsteht in New Orleans

Karl Edward Tommy Borgudd wurde am 25. November 1946 in Borgholm auf der schwedischen Ostseeinsel Öland geboren. Schon als Jugendlicher verließ er die Schule und ging zur See. Sein Schlagzeug nahm er mit an Bord. Während eines Aufenthalts in New Orleans besuchte er mit einigen Schiffskameraden einen Auftritt von Memphis Slim und Willie Dixon.

Weil der vorgesehene Schlagzeuger verletzt ausgefallen sein soll, brachten Borgudds Begleiter den jungen Schweden als Ersatz ins Gespräch. Er spielte die Session mit und erhielt anschließend den Spitznamen „Little Slim“. Das „Little“ verschwand später, „Slim“ blieb. Die Episode beruht vor allem auf Borgudds eigener späterer Erzählung, wurde aber zum Ausgangspunkt eines Namens, der ihn durch seine gesamte Musik- und Motorsportkarriere begleitete.

Mehr als ein Musiker aus dem Umfeld von ABBA

Borgudd entwickelte sich zu einem gefragten Schlagzeuger der schwedischen Musikszene. Er spielte unter anderem in der Lea Riders Group, bei Made in Sweden und später bei Solar Plexus. Made in Sweden gehörte Ende der 1960er-Jahre zu den bekannten schwedischen Jazzrock-Gruppen und wurde in der Heimat mehrfach ausgezeichnet.

Über die Musik kannte Borgudd Björn Ulvaeus und Benny Andersson bereits aus der Zeit vor dem internationalen Durchbruch von ABBA. Später arbeitete er als Sessionmusiker für die Gruppe. Ein festes Mitglied war er jedoch nie. Die häufig verwendete Bezeichnung „ABBA-Schlagzeuger“ ist deshalb griffig, aber ungenau. Borgudd gehörte zum musikalischen Umfeld und spielte bei Produktionen mit, war aber nicht Teil der vierköpfigen Stammbesetzung.

Die Musik war für ihn nicht nur eine zweite Leidenschaft. Sie finanzierte einen erheblichen Teil seiner frühen Motorsportkarriere. Während andere Nachwuchsfahrer auf wohlhabende Familien oder langfristige Förderer zurückgreifen konnten, spielte Borgudd Konzerte, arbeitete im Studio und investierte seine Einnahmen in Autos, Reifen und Renneinsätze. Nachts stand er auf der Bühne, am folgenden Morgen arbeitete er am Rennwagen oder fuhr zur nächsten Strecke.

Ein Lotus von Chris Barber

Sein Interesse am Motorsport begann nach eigener Aussage 1959, als er Stirling Moss in Karlskoga fahren sah. Der praktische Einstieg folgte 1968 während einer Großbritannien-Tournee mit Made in Sweden. Borgudd lernte den britischen Jazzmusiker und Amateurrennfahrer Chris Barber kennen und kaufte ihm für 900 Pfund einen Lotus 22 ab.

Anschließend besuchte er die Jim Russell Racing School in Snetterton. Bei einem Abschlussrennen für die besten Lehrgangsteilnehmer hielt Borgudd nach eigener Erinnerung als einziger Fahrer die vorgeschriebene Drehzahlgrenze ein und gewann trotzdem. Zurück in Schweden wurde der Lotus für andere Einsatzzwecke umgebaut. Borgudd trat zunächst in Sportwagen- und Tourenwagenrennen an, bevor er in den Formelsport wechselte.

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Der Weg verlief nicht geradlinig. Fehlendes Geld unterbrach seine Einsätze immer wieder. Borgudd lieh sich Autos, arbeitete selbst als Mechaniker und stimmte seine Renntermine auf den Tourneeplan seiner Bands ab. In der Formel Ford gewann er mehrere Rennen. Ab Mitte der 1970er-Jahre trat er zunehmend in der Formel 3 an. Ein von ihm eingesetzter Viking-Rennwagen erschien sogar auf dem Cover seines Soloalbums „Funky Formula“.

Der sportliche Durchbruch von 1979

Die Saison 1979 widerlegt besonders deutlich die Vorstellung, Borgudd habe seinen Aufstieg hauptsächlich einem berühmten Schriftzug verdankt. Mit einem Ralt RT1 gewann er die schwedische Formel-3-Meisterschaft. Gleichzeitig belegte er Rang drei in der europäischen Formel-3-Meisterschaft.

Vor ihm lagen nur Alain Prost und Michael Bleekemolen. Borgudd platzierte sich unter anderem vor Mauro Baldi, Michele Alboreto, Mike Thackwell, Thierry Boutsen und Philippe Streiff. Mehrere dieser Fahrer erreichten später die Formel 1 oder gewannen bedeutende internationale Rennen. Borgudd war zu diesem Zeitpunkt bereits 32 Jahre alt und arbeitete teilweise selbst am Fahrzeug. Sein Budget erlaubte ihm dennoch kein technisch gleichwertiges Programm gegenüber den stärksten Werksteams.

Für 1980 plante Borgudd den Aufstieg in die Formel 2. Die Finanzierung brach jedoch zusammen, nachdem die erhoffte Unterstützung von Marlboro ausblieb. Der Schwede absolvierte stattdessen weitere Formel-3-Einsätze. Mit inzwischen 33 Jahren konnte er kaum noch auf ein klassisches Nachwuchsprogramm hoffen. Er benötigte einen ungewöhnlichen Zugang zur Formel 1 – und fand ihn über seine Verbindung zur bekanntesten Musikgruppe Schwedens.

Das ABBA-Logo war kein bezahltes Sponsoring

Borgudd fragte zunächst beim Management von ABBA an, ob die Gruppe ein Formel-1-Projekt finanzieren würde. Die Antwort fiel nach seiner späteren Schilderung eindeutig negativ aus. Daraufhin wandte er sich direkt an Benny Andersson. Dieser ermöglichte ihm, das ABBA-Logo für ein Jahr auf seinen Rennwagen zu verwenden.

Geld erhielt Borgudd von der Gruppe nicht. ABBA bezahlte weder das ATS-Cockpit noch den Einsatz des Teams. Das Logo sollte Aufmerksamkeit erzeugen, den kommerziellen Wert des Fahrers erhöhen und weitere Geldgeber anziehen. Borgudd kam deshalb nicht als vollständig finanzierter ABBA-Pilot in die Formel 1. Er brachte vielmehr einen weltweit bekannten Namen mit, dessen Werbewert Günter Schmid überzeugen sollte.

Bei Schmid erfüllte die Verbindung zunächst ihren Zweck. Der deutsche Unternehmer führte den Rennstall des Felgenherstellers ATS und erkannte das öffentliche Interesse, das ein Auto mit dem ABBA-Schriftzug auslösen konnte. Borgudd erhielt für 1981 ein Cockpit, fuhr nach eigener Aussage jedoch ohne Gehalt und musste zusätzliche persönliche Unterstützer mitbringen. Bei seinem Debüt war er bereits 34 Jahre alt.

Ein Formel-1-Debüt im ATS-Chaos

Borgudd stieg erst beim vierten Saisonlauf 1981 ein. Wenige Tage vor dem Großen Preis von San Marino erschien er zur Sitzanpassung in der britischen ATS-Werkstatt. Dort fand er nach späteren Berichten kaum noch Personal vor. Ein großer Teil der Mannschaft hatte das Team nach internen Auseinandersetzungen verlassen.

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Borgudd überzeugte seinen früheren Formel-3-Unterstützer Roger Heavens, bei der Vorbereitung zu helfen und weitere Mechaniker mitzubringen. Trotz der schwierigen Ausgangslage qualifizierte er sich in Imola für das Rennen. Dabei war er schneller als sein Teamkollege Jan Lammers. Im Grand Prix wurde Borgudd als 13. gewertet und erreichte damit bei seinem ersten Formel-1-Einsatz das Ziel.

Danach zeigte sich, wie schwierig die Situation bei ATS war. In Belgien, Monaco, Spanien und Frankreich schaffte Borgudd den Sprung ins Starterfeld nicht. Das Team wechselte zwischen dem älteren D4 und dem neueren HGS1, während Personal und Verantwortlichkeiten ständig ausgetauscht wurden. Borgudd besaß kaum Erfahrung mit modernen Ground-Effect-Fahrzeugen und erhielt nur wenige verlässliche Testkilometer.

Borgudd verpflichtet seinen eigenen Teammanager

Beim Großen Preis von Frankreich in Dijon erfuhr Borgudd, dass Alastair Caldwell nicht länger für Brabham arbeitete. Der frühere McLaren-Teammanager wohnte im selben Hotel. Borgudd klopfte an seine Tür und fragte, ob er ATS helfen könne. Caldwell erschien am folgenden Tag an der Strecke und erklärte Günter Schmid, dass er die Aufgabe übernehmen werde.

Schmid war nach Borgudds Erinnerung vor allem darüber verärgert, dass sein Fahrer die Verpflichtung ohne vorherige Rücksprache eingefädelt hatte. Caldwell blieb trotzdem. In den knapp zwei Wochen bis zum Großen Preis von Großbritannien arbeiteten er und Borgudd intensiv am ATS. Caldwell soll das Gewicht des Autos um 32 Kilogramm reduziert und dem Schweden geholfen haben, die Wirkungsweise der Ground-Effect-Aerodynamik besser zu verstehen.

Der Vorgang war für einen Formel-1-Rennstall außergewöhnlich. Normalerweise verpflichtete das Team seine Mitarbeiter und stellte dem Fahrer anschließend ein vorbereitetes Auto zur Verfügung. Bei ATS brachte der Fahrer selbst einen erfahrenen Teammanager mit, weil die vorhandene Struktur kaum funktionierte. Genau dieser ungewöhnliche Eingriff bereitete jedoch das erfolgreichste Wochenende von Borgudds Formel-1-Karriere vor.

Silverstone und der Schraubenschlüssel

Borgudd qualifizierte sich in Silverstone auf dem 21. Platz. Damit lag er weit hinter den Favoriten, hatte aber den Sprung in das Feld der 24 Starter geschafft. Nigel Mansell, Eliseo Salazar, Derek Warwick und weitere Konkurrenten verpassten dagegen die Qualifikation.

Das Rennen entwickelte sich zu einem Ausfalllauf. Mehrere Fahrer der etablierten Teams schieden durch Unfälle oder technische Defekte aus. Borgudd blieb auf der Strecke, obwohl der im Fußraum liegende Schraubenschlüssel seine Arbeit vom Beginn des Rennens an erschwerte. Er hielt das Werkzeug mit dem linken Fuß vom Gaspedal fern und konnte die Kupplung nur noch eingeschränkt benutzen.

Nach 68 Runden kam Borgudd eine Runde hinter Sieger John Watson als Sechster ins Ziel. Vor ihm lagen nur Watson, Carlos Reutemann, Jacques Laffite, Eddie Cheever und Héctor Rebaque. Der Schwede erhielt den letzten verfügbaren WM-Punkt. Für ATS war es der erste Punktgewinn seit Hans-Joachim Stucks fünftem Platz in Watkins Glen 1979.

Das Ergebnis beruhte auf zahlreichen Ausfällen, war aber keineswegs wertlos. Borgudd musste ein schwieriges Auto über die Distanz bringen, das blockierende Werkzeug kontrollieren und jeden weiteren Fehler vermeiden. Im damaligen Punktesystem erhielten nur die ersten sechs Fahrer Zähler. Rang sieben wäre statistisch beinahe verschwunden. Der sechste Platz machte Borgudd dagegen zu einem der wenigen Formel-1-Punktesammler seiner Generation.

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Der Punkt löste die Probleme nicht

Nach Silverstone erreichte Borgudd auch in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Italien und Kanada das Starterfeld. Sein bestes weiteres Resultat war Rang zehn in Zandvoort. In Deutschland, Österreich, Italien und Kanada schied er aus. Beim Saisonfinale in Las Vegas verpasste er die Qualifikation.

Insgesamt war Borgudd 1981 bei zwölf WM-Läufen gemeldet und startete siebenmal. Mit seinem Punkt aus Silverstone wurde er in der offiziellen Fahrerwertung gemeinsam mit Patrick Tambay, Andrea de Cesaris und Eliseo Salazar auf Rang 18 geführt. ATS erzielte in der Konstrukteurswertung ebenfalls einen Punkt.

Unter den damaligen Bedingungen war Borgudds Bilanz respektabel. Er war ein spät eingestiegener Neuling, fuhr für einen instabilen Rennstall und musste sich häufig zunächst für das eigentliche Qualifying oder das Rennen qualifizieren. Sein Punkt reichte dennoch nicht aus, um eine langfristige Zukunft bei ATS zu sichern.

Ein Sponsor, den Günter Schmid nicht wollte

Gegen Ende der Saison suchte Borgudd selbst nach zusätzlicher Finanzierung. Vor dem Rennen in Las Vegas fand er nach eigener Aussage ein schwedisches Unternehmen, das ihn unterstützen wollte. Günter Schmid habe darauf ablehnend reagiert und erklärt, ATS benötige keinen weiteren Sponsor, weil er den Rennbetrieb selbst bezahlen könne.

Borgudd nahm den Geldgeber daraufhin mit zu Ken Tyrrell. Ausgerechnet ein weiterer Konflikt mit Schmid eröffnete ihm damit die vermeintlich bessere Chance für 1982. Tyrrell war ein etablierter Rennstall, hatte Weltmeisterschaften gewonnen und setzte mit dem 011 ein konventionelles, aber brauchbares Cosworth-Auto ein. Borgudd sollte Teamkollege des aufstrebenden Michele Alboreto werden.

Der schwere Unfall im Tyrrell

Noch vor dem Saisonbeginn testete Borgudd den Tyrrell 011 in Paul Ricard. In der schnellen Signes-Kurve verlor er ohne erkennbare Vorwarnung die Kontrolle. Nach seiner späteren Erinnerung durchschlug das Auto über eine lange Distanz den Fangzaun und überschlug sich mehrfach.

Vom Tyrrell blieb nach Borgudds Schilderung im Wesentlichen die Cockpitzelle übrig. Motor, Getriebe, Räder, Flügel und Seitenkästen wurden abgerissen. Borgudd blieb nahezu unverletzt. Ken Tyrrell habe ihm anschließend erklärt, dass ein Teil der Aufhängung gebrochen sei. Die genaue Zahl der Überschläge und die zurückgelegte Distanz stammen aus Borgudds persönlicher Erinnerung, der schwere Testunfall selbst ist jedoch gut dokumentiert.

Wenige Wochen später trat Borgudd dennoch beim Saisonauftakt in Südafrika an. Das Wochenende wurde vom Fahrerstreik gegen neue Superlizenzbedingungen überschattet. Borgudd schloss sich seinen Kollegen an, obwohl er nach eigener Aussage befürchten musste, dadurch sein gerade erst gewonnenes Cockpit zu verlieren.

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Drei Rennen bei Tyrrell

In Kyalami qualifizierte sich Borgudd für das Rennen und wurde 16. Beim folgenden Großen Preis von Brasilien startete er vom 21. Platz und überquerte die Ziellinie zunächst als Neunter. Nach der Disqualifikation von Nelson Piquet und Keke Rosberg rückte er offiziell auf den siebten Platz vor. Einen WM-Punkt verpasste er damit um eine Position.

In Long Beach brachte Borgudd den Tyrrell als Zehnter ins Ziel. Drei Zielankünfte bei drei Starts waren solide, Michele Alboreto hatte sich im anderen Auto jedoch deutlich stärker etabliert. Entscheidend wurde schließlich die Finanzierung: Borgudds neuer Geldgeber brach weg, und ohne ausreichendes Budget konnte er die Saison nicht fortsetzen. Brian Henton übernahm anschließend das zweite Tyrrell-Cockpit.

Borgudds Formel-1-Karriere war damit nach 15 Meldungen und zehn tatsächlichen Rennstarts beendet. Er hatte einen WM-Punkt erzielt und sich fünfmal nicht für ein Rennen qualifiziert. Sein letzter Grand Prix war der Große Preis der USA West 1982. Eine weitere realistische Chance auf ein dauerhaftes Cockpit erhielt er nicht.

Nach der Formel 1 kamen die größten Erfolge

Borgudd verschwand nach dem Ende seiner Grand-Prix-Karriere nicht aus dem Motorsport. Er trat weiterhin in Formelwagen, Sportwagen und Tourenwagen an. 1984 wurde er beim Formel-3-Rennen in Macau Sechster. Ein Jahr später absolvierte er einzelne Einsätze in der neu geschaffenen Formel 3000.

1989 gewann er gemeinsam mit Mark Hales das Willhire-Langstreckenrennen in Snetterton. Der traditionell über 24 Stunden ausgetragene Wettbewerb war in jenem Jahr aus Anlass eines Jubiläums auf 25 Stunden verlängert worden. Borgudd und Hales siegten mit einem Ford Sierra Sapphire Cosworth. 1994 gewann Borgudd außerdem die nordische Tourenwagenmeisterschaft in einem Mazda.

Seine größten Erfolge feierte er im Truck Racing. Die Rennen mit stark modifizierten Zugmaschinen entwickelten sich in den späten 1980er- und 1990er-Jahren zu einer populären europäischen Motorsportdisziplin. Borgudd gewann mehrere europäische Titel, darunter Meisterschaften 1986, 1987 und 1988. 1995 wurde er mit einem Mercedes-Benz Super Race Truck erneut Europameister.

Die damaligen Fahrzeuge hatten mit gewöhnlichen Straßenzugmaschinen kaum noch etwas gemeinsam. Borgudds Mercedes leistete mehr als 1.100 PS und entwickelte ein enormes Drehmoment. Das Mindestgewicht lag bei rund fünf Tonnen, die Höchstgeschwindigkeit wurde aus Sicherheitsgründen auf 160 km/h begrenzt. Borgudds technisches Verständnis und sein Gefühl für schwer kontrollierbare Fahrzeuge kamen in dieser Disziplin besonders zur Geltung.

Kein Musiker, der zufällig Rennen fuhr

In seinen späteren Jahren arbeitete Borgudd als Fahrercoach, Testfahrer und Renningenieur. Von Großbritannien aus betrieb er mit Slim Racing eine eigene Mannschaft und setzte unter anderem Fahrzeuge von Radical ein. Gelegentlich nahm er bis in seine Sechziger selbst noch an Rennen teil.

Slim Borgudd starb am 23. Februar 2023 im Alter von 76 Jahren. In vielen Nachrufen stand erneut seine Verbindung zu ABBA im Mittelpunkt. Der Schriftzug auf dem ATS war schließlich das sichtbarste Symbol seiner Formel-1-Karriere und machte seine Geschichte auch außerhalb des Motorsports bekannt.

Doch Borgudd war kein Musiker, der durch prominente Freunde zufällig in ein Formel-1-Auto gelangte. Er hatte Rennen gewonnen, die schwedische Formel-3-Meisterschaft geholt und sich in der europäischen Formel 3 gegen spätere Grand-Prix-Sieger behauptet. Bei ATS brachte er ein problematisches Auto unter außergewöhnlichen Umständen in die Punkte. Danach wurde er in einer völlig anderen Motorsportdisziplin mehrfacher Meister.

Das ABBA-Logo öffnete ihm eine Tür, aber Borgudd musste selbst hindurchfahren. Es bezahlte weder das Cockpit noch garantierte es einen Startplatz. Seine Karriere beruhte auf sportlicher Leistung, musikalischer Arbeit, technischer Eigeninitiative und der Bereitschaft, Gelegenheiten selbst zu schaffen.

Der berühmte Schriftzug machte Slim Borgudd unvergesslich. Sein Weg bis zu diesem Schriftzug erklärt, warum er die Chance verdient hatte.

GrandPrix-Geschichte // Fahrer-Akte

Slim Borgudd

Musiker // Formel-3-Meister // Formel-1-Punktesammler

Formel-1-Starts 10 15 Meldungen
WM-Punkte 1 Silverstone 1981
Bestes F1-Ergebnis 6. ATS beim Großbritannien-GP
Schwedischer F3-Titel 1979 Ralt RT1

Die Grand-Prix-Bilanz

Formel-1-Zeitraum 1981 bis 1982
Teams ATS und Tyrrell
Meldungen 15 Weltmeisterschaftsläufe
Rennstarts 10 Grands Prix
Bestes Ergebnis 6. Platz beim Großen Preis von Großbritannien 1981
Beste Tyrrell-Platzierung 7. Platz beim Großen Preis von Brasilien 1982
Imola Formel-1-Debüt

Borgudd qualifiziert sich beim vierten Saisonlauf 1981 für seinen ersten Grand Prix.

Silverstone Einziger WM-Punkt

Platz sechs trotz eines Schraubenschlüssels im Fußraum des ATS.

1982 Wechsel zu Tyrrell

Drei Starts und drei Zielankünfte an der Seite von Michele Alboreto.

Long Beach Letzter Grand Prix

Rang zehn beendet seine kurze Formel-1-Karriere.

Erfolge jenseits der Formel 1

1979 Schwedischer F3-Meister

Titelgewinn mit dem Ralt RT1 sowie Rang drei in der europäischen Formel-3-Meisterschaft.

1989 Willhire-Sieger

Sieg beim 25-Stunden-Rennen von Snetterton gemeinsam mit Mark Hales.

1994 Tourenwagen-Titel

Gewinn der nordischen Tourenwagenmeisterschaft mit Mazda.

1995 Truck-Europameister

Europäischer Titel mit einem mehr als 1.100 PS starken Mercedes-Benz Race Truck.

Weitere Truck-Titel Europäische Meisterschaften 1986, 1987 und 1988
Spätere Aufgaben Fahrercoach, Testfahrer, Renningenieur und Teamchef

Was das ABBA-Logo wirklich bedeutete

Kein
Sponsor
Das Logo brachte Aufmerksamkeit, aber kein bezahltes Formel-1-Programm.

Borgudd war kein festes Mitglied von ABBA. Er gehörte zur schwedischen Musikszene und arbeitete als Sessionmusiker im Umfeld der Gruppe.

Benny Andersson ermöglichte ihm die Verwendung des bekannten Schriftzugs. ABBA bezahlte jedoch weder das ATS-Cockpit noch den Rennbetrieb.

Das Logo sollte weitere Geldgeber anziehen und machte Borgudd weltweit bekannt. Seine sportliche Grundlage hatte er bereits zuvor mit dem schwedischen Formel-3-Titel geschaffen.

GrandPrix-Geschichte.de // Motorsport-Geschichte Netzwerk Karrierebilanz: Formel 3, Formel 1, Tourenwagen und Truck Racing
KI-Transparenz Bei der Erstellung dieses Artikels kamen unterstützend KI-Technologien zum Einsatz. Themenauswahl, Recherche, redaktionelle Prüfung und Freigabe liegen in der Verantwortung des Betreibers. Illustrationen werden teilweise mithilfe generativer KI erstellt und dienen als stilisierte redaktionelle Darstellungen. Sie sind keine historischen Originalaufnahmen. Weitere Informationen zum redaktionellen Prozess: KI-Transparenz bei Grand Prix Geschichte
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