Am 6. Juli 1958 gewann Mike Hawthorn den Großen Preis von Frankreich auf dem Circuit de Reims-Gueux. Der Brite führte den Ferrari nach der ersten Runde bis ins Ziel, fuhr kurz vor dem Ende die schnellste Rennrunde und erreichte die Ziellinie 24,6 Sekunden vor Stirling Moss. Es war Hawthorns erster Sieg in einem Formel-1-Weltmeisterschaftslauf seit dem Großen Preis von Spanien 1954, sein zweiter Erfolg beim französischen Grand Prix und zugleich der letzte Formel-1-Sieg seines Lebens.

Doch das sportliche Ergebnis verlor noch am selben Tag einen Großteil seiner Bedeutung. Hawthorns Ferrari-Teamkollege Luigi Musso war während der zehnten Runde bei hoher Geschwindigkeit von der Strecke abgekommen. Der Italiener wurde mit schwersten Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht und starb wenig später. Juan Manuel Fangio beendete das Rennen in einem Maserati als Vierter. Es blieb der letzte Weltmeisterschaftslauf des fünfmaligen Champions.

Damit vereinte das Rennen von Reims mehrere Einschnitte der Formel-1-Geschichte. Hawthorn schloss in der Fahrerwertung zu Moss auf und schuf eine wichtige Grundlage für seinen späteren Weltmeistertitel. Ferrari verlor einen seiner erfahrensten Werksfahrer und Titelanwärter. Fangio wiederum verabschiedete sich ohne große Ankündigung aus dem Grand-Prix-Sport. Hinter den klassischen Frontmotorwagen deutete sich gleichzeitig bereits ein technischer Umbruch an.

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Eine Saison im Umbruch

Die Formel-1-Saison 1958 hatte ohne den dominierenden Maserati-Werkseinsatz des Vorjahres begonnen. Nach dem Weltmeistertitel von 1957 zog sich das finanziell angeschlagene Unternehmen offiziell aus der Weltmeisterschaft zurück. Private Bewerber setzten den bewährten Maserati 250F weiterhin ein, und auch Fangio verfügte in Reims über ein von Maserati unterstütztes Fahrzeug. Ein geschlossenes Werksteam, das regelmäßig um Siege kämpfen konnte, gab es jedoch nicht mehr.

An der Spitze standen sich Ferrari und die aufstrebenden britischen Konstrukteure gegenüber. Stirling Moss hatte den Saisonauftakt in Argentinien mit einem Cooper des Rob Walker Racing Teams gewonnen. Der kleine Mittelmotorwagen setzte sich vor allem deshalb durch, weil Moss ohne Reifenwechsel durchfahren konnte. In Monaco siegte Maurice Trintignant mit einem weiteren Rob-Walker-Cooper. Moss gewann anschließend in Zandvoort für Vanwall, ehe Tony Brooks den britischen Hersteller in Spa-Francorchamps erneut zum Erfolg führte.

Ferrari war in den ersten vier Weltmeisterschaftsläufen des Jahres ohne Sieg geblieben. Mike Hawthorn hatte in Argentinien den dritten Platz erreicht, in Monaco die schnellste Runde gefahren, war in Zandvoort Fünfter geworden und hatte in Belgien Platz zwei samt schnellster Rennrunde geholt. Daraus ergaben sich vor Reims 14 WM-Punkte. Moss führte mit 17 Zählern, Luigi Musso folgte nach zweiten Plätzen in Argentinien und Monaco mit zwölf Punkten.

Die damalige Punktevergabe unterschied sich deutlich vom heutigen System. Für die ersten fünf Plätze wurden acht, sechs, vier, drei und zwei Punkte vergeben. Ein zusätzlicher Punkt ging an den Fahrer der schnellsten Rennrunde. Für die erstmals 1958 ausgetragene Konstrukteurswertung zählte dagegen nur das jeweils bestplatzierte Fahrzeug eines Herstellers. Der Zusatzpunkt für die schnellste Runde wurde dort nicht berücksichtigt.

Ferrari reiste mit 20 Punkten als Führender der Konstrukteurswertung nach Frankreich. Cooper-Climax lag mit 19 Zählern nur knapp dahinter, Vanwall folgte mit 16 Punkten. Reims war damit nicht nur eines der prestigeträchtigsten Rennen des Jahres, sondern auch eine wichtige Standortbestimmung im Kampf zwischen den etablierten italienischen Rennwagen und der britischen Konkurrenz.

Reims: Geschwindigkeit auf öffentlichen Straßen

Der Circuit de Reims-Gueux führte über abgesperrte Landstraßen westlich der französischen Stadt Reims. Die 1958 verwendete Streckenführung war 8,302 Kilometer lang. Das Rennen ging über 50 Runden und damit über eine Gesamtdistanz von 415,1 Kilometern. Hawthorns spätere Siegerzeit von etwas mehr als zwei Stunden entsprach einem Durchschnitt von rund 201,9 km/h.

Die Strecke bestand vor allem aus langen Geraden, schnellen Bögen und wenigen starken Bremspunkten. Entscheidend waren Motorleistung, eine passende Getriebeübersetzung und eine möglichst strömungsgünstige Karosserie. Auf den Vollgaspassagen konnten die Fahrer den Windschatten ihrer Gegner nutzen, während die Bremszonen an den Haarnadelkurven von Muizon und Thillois zu den wichtigsten Überholmöglichkeiten gehörten.

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Auslaufzonen im modernen Sinn gab es nicht. Neben der Fahrbahn lagen Felder, Gräben, Böschungen, Gebäude und weitere feste Hindernisse. Strohballen sollten an einigen Stellen einen begrenzten Schutz bieten. Die Fahrer saßen in offenen Cockpits, trugen keine Sicherheitsgurte und waren bei einem Unfall weitgehend ungeschützt. Reims verband dadurch außergewöhnlich hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten mit einem Streckenumfeld, das kaum Fehler verzieh.

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Ferrari brachte vier Dino 246 F1 für Hawthorn, Musso, Peter Collins und Wolfgang von Trips an den Start. Der 2,4-Liter-V6 war kompakt und leistungsfähig, auch wenn der Ferrari auf schnellen Kursen nicht in jeder Hinsicht überlegen war. In Reims verfügte die Scuderia jedoch über eine konkurrenzfähige Kombination aus Motorleistung, Fahrbarkeit und Standfestigkeit.

Vanwall setzte auf Stirling Moss, Tony Brooks und Stuart Lewis-Evans. Die britischen Frontmotorwagen verfügten über leistungsstarke Vierzylindermotoren, eine aerodynamisch günstige Karosserie und Scheibenbremsen. Im Training kämpfte das Team allerdings mit Überhitzungsproblemen und erreichte nicht die erhoffte Überlegenheit. BRM trat mit Harry Schell, Jean Behra und Maurice Trintignant an. Cooper, Lotus und zahlreiche privat eingesetzte Maserati ergänzten das Feld.

Hawthorn setzt den Maßstab

Mike Hawthorn erzielte im Training eine Zeit von 2:21,7 Minuten. Damit erreichte er auf dem mehr als acht Kilometer langen Kurs einen Durchschnitt von knapp 211 km/h. Luigi Musso folgte mit 2:22,4 Minuten, während Harry Schell den BRM in 2:23,1 Minuten auf den dritten Startplatz brachte. Hawthorn und Musso teilten sich die erste Startreihe somit mit Schell.

Peter Collins qualifizierte sich als Vierter. Hinter ihm folgten Tony Brooks und Stirling Moss in den beiden schnellsten Vanwall. Maurice Trintignant belegte Platz sieben, Juan Manuel Fangio startete als Achter vor Jean Behra. Zwischen Hawthorns Polezeit und Fangios Runde von 2:24,0 Minuten lagen lediglich 2,3 Sekunden. Das Feld war auf eine Runde enger zusammengerückt, als es der spätere Rennverlauf vermuten ließ.

Wolfgang von Trips blieb im Training ohne gewertete Zeit und musste vom letzten Startplatz losfahren. Phil Hill qualifizierte sich mit einem Maserati als 13. Der Amerikaner bestritt in Reims seinen ersten Lauf zur Formel-1-Weltmeisterschaft. Wenige Jahre später sollte er selbst für Ferrari Weltmeister werden.

Fangio trat ebenfalls mit einem Maserati an. Der zeitgenössische Rennbericht beschrieb sein Fahrzeug als kürzere und leichtere Weiterentwicklung des 250F. Obwohl der Wagen unter Fangios eigener Nennung erschien, wurde er technisch weiterhin von Maserati unterstützt. Gegen die neueren Ferrari, Vanwall und BRM fehlte jedoch bereits die letzte Konsequenz bei Geschwindigkeit und Entwicklung.

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Schell führt nur wenige Kurven

Beim Start beschleunigte Harry Schell am schnellsten und brachte seinen BRM zunächst an die Spitze. Noch vor dem Abschluss der ersten Runde übernahm jedoch Hawthorn die Führung. Nach dem ersten Umlauf lag der Ferrari-Pilot vor Schell, Musso, Moss, Brooks und Fangio. Der spätere Sieger hatte damit früh jene Position erreicht, die er bis zur Zielflagge nicht mehr abgeben sollte.

In der zweiten Runde rückte Musso auf den zweiten Platz vor. Collins folgte zunächst auf Rang drei, verlor aber in der fünften Runde viel Zeit. An seinem Ferrari hatte sich eine Metallabdeckung gelöst und war hinter das Bremspedal geraten. Collins musste in der Muizon-Haarnadel den Notweg benutzen und fiel weit zurück, bevor er das störende Teil entfernen und seine Fahrt fortsetzen konnte.

Hawthorn setzte sich unterdessen schrittweise ab. Musso blieb zunächst in Sichtweite seines Teamkollegen, während Brooks, Fangio, Behra, Schell und Moss um die weiteren Positionen kämpften. Auf den langen Geraden bildeten sich enge Windschattengruppen. Die Fahrer wechselten ihre Reihenfolge teilweise innerhalb weniger Kurven, ohne den Abstand zur Spitze entscheidend verkürzen zu können.

Bereits nach zehn Runden begannen Hawthorn und Musso, langsamere Teilnehmer zu überrunden. Der Ferrari an der Spitze lief störungsfrei, und Hawthorn hielt ein gleichmäßig hohes Tempo. Musso versuchte weiterhin, die Verbindung zu seinem Teamkollegen nicht abreißen zu lassen. Dann wurde der sportliche Zweikampf von einem schweren Unfall beendet.

Mussos tödlicher Unfall

Während der zehnten Runde erreichte Musso den schnellen Streckenabschnitt hinter der Boxenanlage. In einer schnellen Rechtskurve kam sein Ferrari von der Fahrbahn ab. Der zeitgenössische Rennbericht beschreibt, dass Musso zu schnell in die Kurve fuhr, ins Rutschen geriet und anschließend die Kontrolle verlor. Das offizielle Ergebnis führt ihn mit neun vollendeten Runden, da sich der Unfall während seines zehnten Umlaufs ereignete.

Der Ferrari schlug neben der Strecke schwer ein. Musso wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht und starb dort noch am selben Tag. Er wurde 33 Jahre alt. Das Rennen wurde nicht unterbrochen. Viele Fahrer und Zuschauer erfuhren erst später, wie schwer der Unfall gewesen war.

Über Mussos Beweggründe und seine persönliche Situation entstanden in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche Erzählungen. Häufig ist von finanziellen Problemen, besonderen Siegprämien oder einer erbitterten Rivalität mit den britischen Ferrari-Fahrern die Rede. Einzelne Aspekte davon besitzen in späteren biografischen Darstellungen eine Grundlage. Aus dem unmittelbaren Rennverlauf lässt sich jedoch nur sicher ableiten, dass Musso Hawthorn verfolgte und in einer extrem schnellen Kurve die Kontrolle verlor.

Eine belastbare Rekonstruktion sollte deshalb auf psychologische Gewissheiten verzichten. Es gibt keinen ausreichenden Nachweis dafür, dass Musso den Unfall aufgrund eines bestimmten finanziellen oder persönlichen Motivs riskierte. Gesichert sind der sportliche Kontext, seine Position hinter Hawthorn und der Ablauf, wie ihn der zeitgenössische Rennbericht beschreibt.

Brooks verliert den zweiten Platz

Nach Mussos Unfall übernahm Tony Brooks im Vanwall den zweiten Platz. Lange konnte er Hawthorn jedoch nicht verfolgen. In der zwölften Runde kam Brooks mit einem schwergängigen beziehungsweise festgehenden Getriebe an die Box. Er setzte das Rennen nach dem Halt noch kurz fort, musste seinen eigenen Vanwall aber nach insgesamt 16 Runden endgültig abstellen.

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Damit war Hawthorns direktester Gegner ausgeschieden. Hinter dem Ferrari entwickelte sich nun ein Kampf zwischen Moss, Fangio und Behra. Die drei Fahrer lagen auf der Strecke eng beieinander und nutzten wechselseitig den Windschatten. Ein Angriff auf Hawthorn war zu diesem Zeitpunkt jedoch kaum noch realistisch.

Stuart Lewis-Evans hatte mit dem dritten Vanwall ebenfalls technische Probleme. Das Team rief ihn an die Box und ließ Tony Brooks das Fahrzeug übernehmen. Fahrerwechsel waren damals noch erlaubt. Der Vanwall lief jedoch auch mit Brooks am Steuer nicht einwandfrei und wurde nach insgesamt 35 Runden mit Motorproblemen aus dem Rennen genommen.

Fangios letzter Kampf

Juan Manuel Fangio hielt seinen Maserati zunächst in der Gruppe um den zweiten Platz. Der 47-Jährige verfügte nicht mehr über das schnellste Fahrzeug, konnte aber durch präzises Fahren und geschickte Windschattennutzung mit Moss und Behra mithalten. Seine Anwesenheit in der Spitzengruppe zeigte noch einmal, wie konkurrenzfähig er auch am Ende seiner Formel-1-Karriere geblieben war.

In der 25. Runde steuerte Fangio kurz die Box an. Nach dem zeitgenössischen Rennbericht meldete er Probleme beim Gangwechsel. Der Aufenthalt war kurz, reichte aber aus, damit Moss und Behra deutlich entkamen. Auch Schell, Trintignant und der nach seinem frühen Zwischenfall aufholende Collins gingen zunächst vorbei. Fangio konnte den verlorenen Anschluss bei dem hohen Renntempo nicht wiederherstellen.

Der Maserati blieb jedoch im Rennen. Fangio arbeitete sich durch die Ausfälle mehrerer Konkurrenten wieder auf den vierten Platz vor. Während technisch jüngere Fahrzeuge mit Defekten stehen blieben, brachte er den weiterentwickelten 250F über die gesamte Distanz.

Von Trips kommt von ganz hinten

Wolfgang von Trips hatte das Rennen nach seinem schwierigen Trainingsverlauf am Ende des Feldes aufgenommen. Anschließend begann er eine bemerkenswerte Aufholjagd. Während Hawthorn an der Spitze ungefährdet fuhr, gewann von Trips Position um Position und rückte in der zweiten Rennhälfte bis in die Nähe der Podiumsplätze vor.

Auch Collins kämpfte sich nach seinem Ausflug in der fünften Runde wieder durch das Feld. Beide Ferrari profitierten von einer Reihe technischer Ausfälle. Maurice Trintignant blieb mit einer defekten Kraftstoffpumpe auf der Strecke stehen. Harry Schell musste seinen überhitzten BRM an der Box abstellen, während Graham Hill seinen Lotus nach verschiedenen technischen Problemen aufgab.

An der Spitze blieb Hawthorn unerreichbar. Das wichtigste Duell spielte sich nun zwischen Moss und Behra ab. Vanwall und BRM waren auf den Geraden ähnlich schnell, sodass keiner der beiden Fahrer einen dauerhaften Vorteil herausfahren konnte. Fangio, von Trips und Collins lagen dahinter, ohne noch in diesen Zweikampf eingreifen zu können.

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Nach 41 gewerteten Runden endete Behras Kampf mit Moss, als die Kraftstoffpumpe seines BRM versagte. Moss erbte damit einen sicheren zweiten Platz, konnte Hawthorn aber nicht mehr gefährden. Von Trips rückte auf Rang drei vor und vollendete damit seine Aufholjagd vom letzten Startplatz.

Hawthorn demonstriert seine Überlegenheit

Hawthorn musste in der Schlussphase vor allem den Ferrari schonen und beim Überrunden aufmerksam bleiben. Dennoch reduzierte er sein Tempo nicht vollständig. In der 45. Runde fuhr er mit 2:24,9 Minuten die schnellste Rennrunde. Sie lag nur 3,2 Sekunden über seiner Polezeit und brachte ihm nach dem damaligen Reglement einen zusätzlichen WM-Punkt.

Nach 50 Runden erreichte Hawthorn das Ziel in 2:03:21,3 Stunden. Moss wurde mit 24,6 Sekunden Rückstand Zweiter. Von Trips beendete seine Aufholjagd als Dritter und lag 59,7 Sekunden hinter dem Sieger. Hawthorn hatte nach der Übernahme der Spitze während der ersten Runde alle folgenden Umläufe angeführt.

Der Erfolg brachte ihm acht Punkte für den Sieg und einen weiteren Punkt für die schnellste Runde. Insgesamt erhielt Hawthorn damit neun WM-Punkte. Moss bekam sechs Punkte für Platz zwei. Beide Fahrer standen nach dem Frankreich-Grand-Prix bei jeweils 23 Zählern. Hawthorn war nicht an Moss vorbeigezogen, hatte dessen zuvor bestehenden Vorsprung von drei Punkten aber vollständig aufgeholt.

In der Konstrukteurswertung erhielt Ferrari acht Punkte für Hawthorns Sieg. Vanwall bekam sechs Zähler für Moss’ zweiten Platz. Ferrari führte danach mit 28 Punkten vor Vanwall mit 22 und Cooper-Climax mit 19. Von Trips’ dritter Platz brachte Ferrari keine zusätzlichen Konstrukteurspunkte, da pro Hersteller nur das jeweils bestplatzierte Fahrzeug gewertet wurde.

Collins schiebt seinen Ferrari ins Ziel

Peter Collins lag in der Schlussphase vor Fangio auf dem vierten Platz. Nach der Thillois-Haarnadel ging seinem Ferrari auf der letzten Runde jedoch der Kraftstoff aus. Collins stieg aus und begann, den Wagen in Richtung Ziellinie zu schieben. Fangio fuhr währenddessen vorbei und übernahm den vierten Platz.

Collins schob seinen Ferrari über die Ziellinie und wurde mit 5:24,9 Minuten Rückstand als Fünfter gewertet. Da Jack Brabham als nächster Verfolger bereits eine Runde zurücklag, behielt Collins trotz des erheblichen Zeitverlusts den fünften Platz und erhielt dafür zwei WM-Punkte.

Brabham folgte im Cooper als Sechster. Phil Hill beendete sein Formel-1-Debüt auf Rang sieben. Jo Bonnier, Gerino Gerini und Troy Ruttman komplettierten die ersten zehn Positionen. Der ungewöhnliche Zieleinlauf von Collins war nach dem damaligen Reglement möglich, solange der Fahrer sein Fahrzeug ohne fremde Hilfe bis über die Linie brachte.

Hawthorn und Fangio

Fangio kam 2:30,6 Minuten hinter Hawthorn als Vierter ins Ziel und war damit der letzte Fahrer, der alle 50 Runden absolvierte. Häufig wird erzählt, Hawthorn habe in der Schlussphase bewusst darauf verzichtet, den fünfmaligen Weltmeister zu überrunden. Der Brite habe Fangio damit ermöglicht, seinen letzten Grand Prix in derselben Runde wie der Sieger zu beenden.

Gesichert ist, dass Hawthorn Fangio nicht mehr überrundete und dieser in der Führungsrunde gewertet wurde. Ob Hawthorn sein Tempo ausdrücklich als Ehrenbezeugung reduzierte, lässt sich anhand des unmittelbaren zeitgenössischen Rennberichts nicht zweifelsfrei belegen. Die bekannte Geschichte sollte daher als spätere Überlieferung und nicht als vollständig gesicherter Rennvorgang verstanden werden.

Für Fangio blieb Reims dennoch der Schlusspunkt seiner Formel-1-Karriere. Er hatte seit 1950 an der Weltmeisterschaft teilgenommen und fünf Fahrertitel mit Alfa Romeo, Mercedes-Benz, Ferrari und Maserati gewonnen. Nach dem vierten Platz in Frankreich trat er zu keinem weiteren Weltmeisterschaftslauf an. Sein Rückzug erfolgte ohne die große öffentliche Abschiedsinszenierung, die ein Fahrer seiner Bedeutung heute erhalten würde.

Der Beginn von Hawthorns Titelweg

Hawthorn gewann nach Reims keinen weiteren Grand Prix mehr. Seine Stärke in der zweiten Saisonhälfte lag in seiner Konstanz. Er wurde bei den folgenden Rennen in Großbritannien, Portugal, Italien und Marokko jeweils Zweiter. Moss gewann dagegen noch in Portugal und Marokko, verlor aber bei anderen Veranstaltungen durch Ausfälle oder schwächere Ergebnisse entscheidende Punkte.

Am Ende wurde Hawthorn mit 42 gewerteten Punkten Weltmeister. Moss folgte mit 41 Punkten. Dabei war das damalige Streichresultat-Reglement zu beachten: Nicht alle im Saisonverlauf erzielten Punkte flossen in die endgültige Wertung ein. Hawthorn wurde trotz nur eines Saisonsieges der erste britische Formel-1-Weltmeister.

Die erste Konstrukteursweltmeisterschaft ging dagegen an Vanwall. Der britische Hersteller beendete die Saison mit 48 gewerteten Punkten vor Ferrari mit 40. Damit trennten sich Fahrer- und Konstrukteurstitel: Hawthorn gewann die Fahrerwertung für Ferrari, während Moss und Brooks Vanwall zum ersten Konstrukteurschampion der Formel-1-Geschichte machten.

Gemessen an Poleposition, Rennführung, schnellster Runde und Sieg war Reims Hawthorns vollständigstes WM-Wochenende der Saison 1958. Der Erfolg allein entschied die Meisterschaft noch nicht, stellte aber den Gleichstand mit Moss her und brachte Ferrari erstmals in diesem Jahr einen Sieg in einem Weltmeisterschaftslauf.

Ein Sommer voller Verluste

Der Tod Luigi Mussos war nicht der einzige schwere Verlust, den Ferrari 1958 hinnehmen musste. Nur vier Wochen später verunglückte Peter Collins beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring tödlich. Hawthorn setzte die Saison fort, gewann am Ende die Weltmeisterschaft und trat anschließend vom Rennsport zurück.

Am 22. Januar 1959 starb Hawthorn bei einem Verkehrsunfall in England. Innerhalb von weniger als sieben Monaten waren damit drei der vier Ferrari-Fahrer, die in Reims angetreten waren, ums Leben gekommen. Wolfgang von Trips blieb als einziger Fahrer dieses Quartetts am Leben, sollte aber selbst 1961 bei einem Unfall in Monza sterben.

Diese späteren Ereignisse dürfen den Frankreich-Grand-Prix nicht rückwirkend zu einer vorbestimmten Tragödie machen. Sie zeigen jedoch, unter welchen Bedingungen die Fahrer jener Epoche antraten. Die hohen Geschwindigkeiten waren der technischen und organisatorischen Absicherung weit vorausgeeilt. Schwere Unfälle wurden als Teil des Sports hingenommen, obwohl ihre Folgen bereits damals offensichtlich waren.

Das Vermächtnis von Reims 1958

Der Große Preis von Frankreich 1958 blieb sportlich als Hawthorns dominante Vorstellung in Erinnerung. Er startete von der Poleposition, übernahm noch in der ersten Runde die Führung, gab sie nicht mehr ab und fuhr kurz vor dem Ziel die schnellste Runde. Mit den neun erzielten Punkten stellte er in der Weltmeisterschaft den Gleichstand mit Moss her.

Historisch ist das Rennen jedoch ebenso eng mit Luigi Musso und Juan Manuel Fangio verbunden. Musso verlor bei der Verfolgung seines Teamkollegen sein Leben. Fangio brachte einen Maserati auf den vierten Platz und verschwand anschließend aus der Weltmeisterschaft. Der Sieger, der verstorbene Ferrari-Fahrer und der abtretende Champion verbanden den Grand Prix mit drei völlig unterschiedlichen Endpunkten.

Auch technisch stand Reims für eine Übergangsphase. Ferrari, Vanwall, BRM und Maserati setzten weiterhin auf den Frontmotor. Cooper hatte mit dem Mittelmotor bereits zwei Saisonrennen gewonnen, war auf dem extrem schnellen Kurs in Frankreich aber nicht siegfähig. Schon 1959 sollte Jack Brabham im Cooper Weltmeister werden und zeigen, dass die Zukunft der Formel 1 hinter dem Fahrer lag.

Reims zeigte noch einmal die Geschwindigkeit und Leistungsfähigkeit der klassischen Frontmotorwagen. Gleichzeitig offenbarte das Rennen den hohen Preis, den der damalige Grand-Prix-Sport verlangte. Hawthorn gewann, Moss verteidigte seine Titelchance, Fangio verabschiedete sich – und Ferrari verlor mit Luigi Musso einen Fahrer, der wenige Minuten zuvor noch um den Sieg gekämpft hatte.

GPG Rennergebnis

Großer Preis von Frankreich 1958

Endergebnis, Renndaten und WM-Lage nach dem Rennen auf dem Hochgeschwindigkeitskurs von Reims-Gueux.

Endergebnis Top 10

Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Zeit / Rückstand
1 Mike Hawthorn Ferrari 50 2:03:21,3
2 Stirling Moss Vanwall 50 +24,6 Sekunden
3 Wolfgang von Trips Ferrari 50 +59,7 Sekunden
4 Juan Manuel Fangio Maserati 50 +2:30,6 Minuten
5 Peter Collins Ferrari 50 +5:24,9 Minuten
6 Jack Brabham Cooper-Climax 49 1 Runde zurück
7 Phil Hill Maserati 49 1 Runde zurück
8 Jo Bonnier Maserati 48 2 Runden zurück
9 Gerino Gerini Maserati 47 3 Runden zurück
10 Troy Ruttman Maserati 45 5 Runden zurück

Besonderheit: Peter Collins ging auf der letzten Runde der Kraftstoff aus. Er schob seinen Ferrari über die Ziellinie und wurde als Fünfter gewertet.

Renndaten Reims-Gueux

50 Runden
415,1 Kilometer
2:03:21,3 Siegerzeit
201,9 km/h Siegerschnitt
Datum 6. Juli 1958
Strecke Circuit de Reims-Gueux
Streckenlänge 8,302 Kilometer
Poleposition Mike Hawthorn Ferrari · 2:21,7 Minuten
Schnellste Rennrunde Mike Hawthorn Ferrari · 2:24,9 Minuten · Runde 45
Geführte Runden Mike Hawthorn · 50
Sieger Mike Hawthorn Ferrari
Podium Hawthorn · Moss · von Trips

Historische Einordnung: Das Rennen war Juan Manuel Fangios letzter Start in einem Formel-1-Weltmeisterschaftslauf. Luigi Musso verunglückte während seines zehnten Umlaufs tödlich.

WM-Lage nach Reims

Fahrerwertung

1 Stirling Moss 23 P.
1 Mike Hawthorn 23 P.
3 Luigi Musso 12 P.

Konstrukteurswertung

1 Ferrari 28 P.
2 Vanwall 22 P.
3 Cooper-Climax 19 P.

Punktesystem 1958: Die ersten fünf Fahrer erhielten 8, 6, 4, 3 und 2 Punkte. Hinzu kam ein Punkt für die schnellste Rennrunde. In der Konstrukteurswertung zählte nur das bestplatzierte Fahrzeug eines Herstellers.

KI-Transparenz Bei der Erstellung dieses Artikels kamen unterstützend KI-Technologien zum Einsatz. Themenauswahl, Recherche, redaktionelle Prüfung und Freigabe liegen in der Verantwortung des Betreibers. Illustrationen werden teilweise mithilfe generativer KI erstellt und dienen als stilisierte redaktionelle Darstellungen. Sie sind keine historischen Originalaufnahmen. Weitere Informationen zum redaktionellen Prozess: KI-Transparenz bei Grand Prix Geschichte
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